Acht Monate in der Fremde

Sophia Tischer und Astro Scheidegger verbrachten letztes Jahr acht Monate im Praktikum, bevor sie im November 2014 das dritte Lehrjahr an der GSH begannen. Hier berichten sie, wie es ihnen ergangen ist.
Von Thomas Zillig

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Sophia Tischer und Astro Scheidegger lernten im Praktikum Neues kennen. (Foto: GSH)

Das achtmonatige Praktikum in einem anderen Betrieb ist für die Lernenden der GSH die «Halbzeit-Marke»: Nach der Rückkehr geht es in den Endspurt, ins dritte Lehrjahr. Sophia Tischer absolvierte ihr Praktikum in der Stadtgärtnerei Luzern, Astro Scheidegger war in der Manfred Grieb AG in Düdingen tätig. Wie haben die beiden ihr Praktikum erlebt? Und mit welchen Erfahrungen oder Erkenntnissen sind sie zurück an die GSH gekommen? Sophia und Astro im Interview:

 

Nach eineinhalb Jahren an der GSH startete im März 2014 euer Praktikum. Mit welchen Erwartungen seid ihr nach Luzern respektive nach Düdingen gegangen?

Sophia: Mein Hauptziel war es, Neues zu lernen. Ich freute mich darauf, einen konventionellen, sehr modernen Betrieb entdecken zu können.

Astro: Auch ich durfte in einem konventionellen Betrieb mein Praktikum absolvieren und war gespannt auf die Unterschiede. Ich freute mich darauf, eine grössere Produktion kennenzulernen.

 

Habt ihr euren Praktikumsplatz bewusst ausgewählt? Und wenn ja, nach welchen Kriterien?

Astro: Ich konnte auswählen. In den vergangenen 20 Jahren war kein Lernender aus Hünibach in diesem Betrieb in Düdingen. Nach dem ersten Besuch vor Ort war für mich klar, dass dies eine passende Lösung ist, zumal er nicht weit von meinem Zuhause entfernt ist.

Sophia: Auch ich hatte die Wahl zwischen verschiedenen Praktikumsplätzen. Nebst der Stadtgärtnerei Luzern hatte ich eine zweite Zusage erhalten. Das Angebot der Stadt Luzern war für mich aufgrund der grossen Unterschiede zur GSH sehr spannend.

 

Wie habt ihr den Start ins Praktikum erlebt? Und wie wurdet ihr in der neuen Umgebung aufgenommen?

Sophia: Zuerst wurde ich eher skeptisch empfangen, denn die Bio-Ausbildung wurde etwas belächelt. Nach den ersten gemeinsamen Arbeiten hat man mich aber rasch als Mitarbeitende akzeptiert.

Astro: Ich wurde gut aufgenommen und fühlte mich sehr schnell wohl, aber es war zu Beginn sehr streng für mich. Ich startete mitten in der Produktionssaison und die Arbeitsweise in Düdingen ist total anders als diejenige in Hünibach.

«Im konventionellen Anbau steht die Menge im Vordergrund, an der GSH im Gegensatz dazu die Qualität, Nachhaltigkeit und die Vereinbarkeit mit der Natur.» Astro

Worin lagen denn die Unterschiede zur Arbeit an der GSH?

Astro: Der grösste Unterschied liegt bei der Produktionsmenge und -geschwindigkeit. Im konventionellen Anbau geht es darum, möglichst viel in möglichst kurzer Zeit zu produzieren. Die Wirtschaftlichkeit steht dabei immer im Vordergrund und nicht die Pflanze oder der Kontakt mit der Pflanze.

Sophia: In Luzern hat niemand mit den Pflanzen gesprochen. Auch in der Stadtgärtnerei waren die Produktionsmengen viel grösser als in Hünibach. Besonders fiel mir auf, dass weniger schöne Pflanzen in einem konventionellen Betrieb viel schneller auf dem Kompost landen als an der GSH. Die Pflege der Pflanzen habe ich in Luzern vermisst.

 

Welche Erfahrungen im Praktikum haben euch besonders geprägt?

Astro: Für mich war die Produktivität besonders bedeutend. Ich habe gelernt, zügig und effizient zu arbeiten.

 

Wäre die höhere Produktivität auch für die GSH ein Optimierungspotenzial?

Astro: Ich bin nicht sicher, ob der bio-dynamische Anbau mit einer solch hohen Produktivität vereinbar ist. Im konventionellen Anbau steht die Menge im Vordergrund, an der GSH im Gegensatz dazu die Qualität, Nachhaltigkeit und die Vereinbarkeit mit der Natur.

 

Was war das Prägendste in der Stadtgärtnerei Luzern?

Sophia: Ich störte mich daran, dass Pflanzen entsorgt wurden, die meiner Meinung nach noch schön genug waren. Das tat mir weh und ich habe daher ab und zu in den Pausen oder nach Feierabend noch die eine oder andere Pflanze vom Kompost gerettet.

 

Nach acht Monaten im Praktikum ging es im November mit dem dritten Lehrjahr in Hünibach weiter. Wie habt ihr die Rückkehr an die GSH empfunden?

Sophia: Ich freute mich sehr auf die Rückkehr, denn der Bezug zu den Pflanzen hat mir während des Praktikums gefehlt. In der Stadtgärtnerei werden die Pflanzen nicht als Lebewesen betrachtet, sondern als Produkt. Endlich darf ich wieder mit den Pflanzen sprechen, ohne kritische Blicke zu spüren. Ich schätze es, wenn geprüft wird, welche Schädlinge an einer Pflanze sind und sie entsprechend mit Nützlingen behandelt werden kann. In Luzern hatten wir keine Zeit, um uns ernsthaft um den Zustand der Pflanzen zu kümmern.

Astro: Auch ich freute mich auf die GSH, insbesondere wegen der Abwechslung der Arbeit. In einem konventionellen Produktionsbetrieb ist es definitiv ein monotoneres Arbeiten. Zudem war ich in Düdingen der einzige Lernende und in Hünibach kann ich mit vielen anderen jungen Menschen austauschen. Der einzige Wermutstropfen ist, dass ich nun nicht mehr zuhause wohnen kann.

«Ich schätze es, wenn geprüft wird, welche Schädlinge an einer Pflanze sind und sie entsprechend mit Nützlingen behandelt werden kann.» Sophia

Hat das Praktikum eine Auswirkung auf eure berufliche Zukunftsplanung?

AS: Ich hatte von Beginn an das Ziel, nach der Lehre die Berufsmaturität zu absolvieren und anschliessend zu studieren. Diese Absicht hat sich während des Praktikums nicht geändert. Das Praktikum war eine gute Erfahrung, ich weiss nun aber, dass ich künftig definitiv nicht als konventioneller Gärtner arbeiten will.

ST: Vor dem Praktikum sah ich meine berufliche Zukunft in einem Produktionsbetrieb. Inzwischen habe ich mich aber anders entschieden. Ich würde künftig gerne Garten- und Sozialarbeit kombinieren. Mit behinderten Menschen im Garten zu arbeiten, dies ist mein Traum.

 

Nun bleibt euch noch ein halbes Jahr an der GSH. Welche Ziele verfolgt ihr bis zum Abschluss der EFZ-Lehre?

ST: Ich bin gespannt auf die Abschlussprüfungen und will die Lehre positiv abschliessen. Daneben freue ich mich auf die gemeinsamen Aktivitäten mit den anderen Lernenden. Der Ausflug nach Stuttgart und die Abschlussreise werden sicher die Highlights.

AS: Ich will die Abschlussprüfungen gut bestehen und freue mich auf den Abschluss. Die Ausbildung an der GSH war eine sehr schöne Erfahrung und ich werde im Sommer mit einem lachenden und einem weinenden Auge Hünibach verlassen.

 

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei den Lehrabschlussprüfungen!

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