Aktuell: Sommerflor aus torffreier Produktion

Derzeit führen wir in Zusammenarbeit mit Jardin Suisse Versuche für die torffreie Pfanzenproduktion durch. In diesem Beitrag erklärt Berufsbildner Michael Albrecht, warum Torf problematisch ist und was wir tun, um das Problem zu lösen. Torffrei produzierten Sommerflor erhalten Sie bei uns – achten Sie auf das orange Etikett!
Von Claudia Fahlbusch

Pflanzen mit orangem Etikett werden in der GSH torffrei produziert. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Aus gärtnerischer Sicht ist Torf ein geniales Produkt für die Pflanzenproduktion. Er hat alles, was die Pflanzen brauchen – doch es gibt ein grosses Problem: Der Abbau ist mit grossen Umweltschäden verbunden und zerstört riesige Flächen und Biotope. Er bindet ausserdem sehr viel CO2, das beim Abbau freigesetzt wird und in die Atmosphäre gelangt. In der Schweiz ist der Abbau von Torf schon seit 1987 verboten, aber jährlich werden bis zu 150’000 Tonnen Torf importiert.

Wegen der grossen Umweltbelastung will der Bund den Import und die Verwendung von Torf reduzieren. In Zusammenarbeit mit Jardin Suisse führen wir Versuche zur torffreien Produktion durch und verkaufen torffrei produzierten Sommerflor. Michael Albrecht, Berufsbildner Zierpflanzen, erklärt im Interview, worum es geht.

 

Michael Albrecht, gibt es überhaupt Alternativen zum Torf?

Die gibt es durchaus, doch sie haben oft auch eine Kehrseite. Gute Resultate erhält man zum Beispiel mit Kokosfasern, aber dort haben wir das Problem der weiten Transportwege, und auch für den Anbau werden Landschaften zerstört.

Man experimentiert unter anderem mit Mais und Chinaschilf, aber auch mit Grün- und Rindenkompost (Kompost ist ein wichtiges Grundelement für die Herstellung von biologischen Substraten und kein Ersatz für Torf), doch auch diese Ansätze sind nicht richtig überzeugend. Grossflächiger Anbau von Mais zum Beispiel verdrängt andere Kulturen, und beim Kompost wissen wir nicht immer, woher er stammt und was alles drin ist. Ausserdem ist dort oft der pH-Wert nicht optimal.

Torffreie Standarderde von Ricoter dient als Basis für die Versuche. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Was sind das für Versuche, welche die GSH mit Jardin Suisse durchführt?

Wir bekamen von Ricoter zwei Kubikmeter Standarderde ohne Torf geliefert. Nun pflanzen wir Sommerflor in diese und zum Vergleich in unsere eigene Bio-Erde ein und beobachten das Wachstum der Pflanzen.

Mitarbeitende von Jardin Suisse beziehungsweise Biocontrol kommen monatlich vorbei, schauen sich die Pflanzen an und nehmen Bodenproben. Die Resultate werden verglichen, und in einem zweiten Schritt erfolgt später die Anpassung der Standarderde. Damit versuchen wir zu einer «Formel» für torffreie Erde zu kommen, in der die Pflanzen gut gedeihen.

 

Verwendet ihr dafür ganz bestimmte Pflanzen?

Wir produzieren aktuell torffreien Bio-Sommerflor in grosser Auswahl, den wir auch verkaufen. Diese Pflanzen erkennt man am orangen Etikett.

 

Sind die Lernenden in diese Aktion eingebunden?

Sie kennen die Hintergründe und verfolgen natürlich, was passiert, wie die Pflanzen sich entwickeln. Für uns als Bio-Schule ist es wichtig, dass sie darüber Bescheid wissen.

 

Warum beteiligt sich die GSH an diesen Versuchen?

Mit der torffreien Pflanzenproduktion wird ein Beitrag an die Ökologie geleistet. Das passt zu uns und steht im Einklang mit unseren Werten. Selbstverständlich führen wir unsere Versuche auf rein biologischer Basis durch.

 

Wussten Sie…

…dass Hochmoortorf, der «gärtnerische Torf», aus dem Spaghnum-Moos entsteht? Dieses Moos wächst extrem langsam, nämlich nur gerade 1 Millimeter pro Jahr. Eine Schicht von 10 Zentimetern ist also bereits 100 Jahre alt.

 

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