«Mit der Permakultur wollen wir grösstmöglichen Nutzen stiften»

Permakultur – was heisst das eigentlich genau? Worin liegt der Unterschied zum biologischen und biodynamischen Landbau? Und hat die Permakultur eine Zukunft? Wir trafen Marcus Pan von der Akademie für Permakulturgestaltung zum Interview.
Von Claudia Fahlbusch

Mann in mittlerem Alter vor Holzwand lacht in die Kamera
Er beschäftigt sich seit 20 Jahren mit der Permakultur: Marcus Pan. (Foto: zvg)

Der gebürtige Österreicher Marcus Pan ist diplomierter Permakultur-Designer. Er kam vor zehn Jahren in die Schweiz und gründete hier die Akademie für Permakulturgestaltung. Sie hat ihren Sitz seit Sommer 2018 auf dem Auenhof bei Feldbach/ZH, der als Lern- und Demonstrationshof für Permakultur in der Landwirtschaft aufgebaut wird.

 

Marcus Pan, worum geht es in der Permakultur?

Die Permakultur hat zum Ziel, stabile Systeme zu schaffen, die selbstregulierend und langlebig sind. Das geschieht durch die Schaffung eines vielfältigen Ökosystems, dessen Biotop-Formen miteinander in Beziehung stehen. Dabei sprechen wir nicht nur von Gärten und Landwirtschaft, sondern allgemein von der Schaffung zukunftsfähiger Lebensräume – auf dem Land und ebenso in der Stadt. Es geht auch darum, dass Menschen ermächtigt werden, sich zu einem gewissen Grad selbst zu versorgen, zum Beispiel mit Nahrung und Energie.

 

Wo liegen die Anfänge der Permakultur? Woher kommt sie?

Der Begriff kommt aus dem englischen «permanent agriculture», also eigentlich «permanente Landwirtschaft». Gemeint ist eine Art Landbau und, weiter gefasst, eine Art zu leben, die auch langfristig nachhaltig und zukunftsfähig ist.

Der Begründer der Permakultur, der australische Biologe Bill Mollison, machte sich schon in den vierziger und fünfziger Jahren Gedanken über die Art und Weise der industriellen Landbewirtschaftung. Er sah voraus, dass man in vierzig oder fünfzig Jahren ausgelaugte, kaputte und kranke Böden haben würde, kranke Pflanzen und kranke Menschen. Das war nicht nachhaltig, sondern sehr kurzfristig gedacht.

 

Wie kam Bill Mollison auf die Permakultur?

Er hat Ökosysteme beobachtet, um ihre Eigenschaften zu erkennen und zu verstehen, wie sie funktionieren. Er hat sich überlegt, wie wir Menschen uns in solche Ökosysteme hineinbegeben und ein Teil davon werden können. Und er hat gemerkt: Aha, wir können unser Haus hier positionieren, in der Zone Null, und unser Permakultursystem darum herum aufbauen, das möglichst so funktioniert wie ein Ökosystem. Wir können es vernetzen mit anderen Permakultursystemen, und dann wird unsere Welt wieder stabiler. Das war seine Idee. Und auf der Basis seiner Beobachtungen hat er ethische Grundsätze und Permakulturprinzipien formuliert.

 

Was sind das für Gestaltungsprinzipien?

Es sind insgesamt zwölf Prinzipien, und sie sind alle der Natur abgeschaut. Drei wichtige sind die Sektorenplanung, die Zonenplanung und die naturräumlich richtige Anordnung, damit es zu Wechselwirkungen und Symbiosen kommt. Ein weiterer wichtiger Grundsatz ist die Mustersprache der Natur.

Studierende der Permakultur schauen sich auf einem Feld Pflanzen an
Studierende der Permakultur lernen, die Landschaft zu lesen. (Foto: zvg)

Kannst du das dem Laien etwas näher erklären? Wie gehen zum Beispiel eine Sektoren- und eine Zonenplanung?

Die Sektorenplanung macht man als erstes. Man beobachtet, welche Einflüsse von aussen vorhanden sind. Woher kommt das Sonnenlicht? Woher kommt der Wind? Wo ist das Wassereinzugsgebiet? Wie kann man natürliche Ressourcen nutzen, beispielsweise durch Einfangen von Sonnenlicht oder Wärme? In alpinen Klimazonen wie auf der Schweibenalp im Berner Oberland, wo wir ein Permakultursystem aufgebaut haben, geht es genau um das: Man versucht, ausgeglichene Temperaturen herzustellen.

«Wenn der Hühnerstall zehn Meter vom Haus weg liegt, dann läuft man im Jahr schon ziemlich viel hin und her. Also holt man sich die Elemente, die man oft braucht, näher ans Haus. Da geht’s um Energiemanagement, um kurze Wege.»

Weiter geht es mit der Zonenplanung. Ein Permakultursystem besteht aus fünf verschiedenen Zonen. Die Zone Null ist das Gebäude, das Haus. Wie ist es gebaut? Holz? Lehm? Stroh? Was für ein Energiekonzept gibt es? Biomasse? Solar? Erdwärme? Wie ist die Dachabdeckung? Von dort geht alles aus.

Um die Zone Null herum ist dann die Zone Eins. Hier finden wir die eigentlichen Gartenelemente, diejenigen Permakultur-Elemente, die man sehr oft besucht – also täglich, oder täglich mehrmals. Das ist zum Beispiel der Kompostgarten, der Frischgemüsegarten, die Frischkräuter, das Anzuchtgewächshaus, die Anzuchtbeete, die Hühner. Die besucht man sieben- bis achthundert Mal im Jahr. Wenn jetzt der Hühnerstall zehn Meter vom Haus weg liegt, dann läuft man im Jahr schon ziemlich viel hin und her. Also holt man sich die Elemente, die man oft braucht, näher ans Haus. Da geht’s um Energiemanagement, um kurze Wege.

 

Was heisst «naturräumlich richtige Anordnung»?

Damit ist gemeint, dass man die verschiedenen Permakultur-Elemente auf der vorhandenen Fläche so anordnet, dass untereinander Wechselwirkungen stattfinden. Wenn das passiert, dann gärtnert die Natur mit, und dann entsteht ein System. Wir Menschen können unseren Arbeitsaufwand minimieren, wenn wir mit der Natur kooperieren.

 

Wie viele Permakultur-Elemente gibt es denn? Kannst du ein paar Beispiele nennen?

Ein Permakultursystem kann aus zirka zwanzig bis vierzig Elementen bestehen – es können aber auch deutlich mehr sein. Hochbeete, Hügelbeete, Kräuterspirale, Kompost, Hühner, Laufenten, Bienen, Duftsitzbank, Trockensteinmauer, Teich, Meditationsplattform, Ruhezone, Waldgarten, Pilzgarten – das sind alles Elemente.

 

Du erwähntest die «Mustersprache der Natur» als weiteren wichtigen Grundsatz. Was heisst das genau?

Man erkennt und kopiert die Muster, die in der Natur vorkommen. Die Form eines Blatts zum Beispiel. Ich kann mein Beet nach der Form eines Feigenblatts erstellen. Oder das Schneckenhaus, dessen Muster von der Kräuterspirale aufgenommen wird.

«Man kann Gärten in die Höhe bauen und nicht nur Platz sparen, sondern auch noch mehr Standorte gewinnen.»

Bill Mollison hatte einmal ein Schneckenhaus auf der Hand und merkte, aha, auf der sonnenzugewandten Seite ist voll Sonne, dahinter ist es schattig, oben ist es ganz trocken und heiss und unten etwas kühler. Eine Kräuterspirale ist eigentlich nichts anderes als eine aufgewickelte Trockensteinmauer, und damit kann ich natürlich sehr viel Platz sparen. So kann man Gärten in die Höhe bauen und nicht nur Platz sparen, sondern auch noch mehr Standorte gewinnen.

 

In der Gartenbauschule Hünibach gärtnert man biologisch und biodynamisch. Was ist der Unterschied zur Permakultur?

Biologisch und biodynamisch ist eine Art und Weise, wie man Pflanzen kultiviert. Permakultur dagegen ist eine Art und Weise, wie man das Land gestaltet. Es ist ein Gestaltungskonzept. Wie ich nachher darin gärtnere, das ist individuell und jedem selbst überlassen. Was mir persönlich sehr nahe ist, ist der «permadynamische» Anbau, wenn ich das mal so sagen darf.

 

Kannst du dazu ein Beispiel nennen?

Wir haben vor sechs Jahren auf der Schweibenalp im Berner Oberland einen grossen Garten aufgebaut. Die Schweibenalp liegt in 1100 Metern Höhe, an einem Nordhang. Dort gibt es schwere, lehmige Böden und extreme Temperaturschwankungen. Eigentlich könnte man sagen: eine ungünstige Lage. Mit herkömmlichen Methoden wäre es kaum möglich, unter diesen Bedingungen Gemüse oder Obst zu kultivieren. Ich bin also hingegangen und habe mit der Gemeinschaft, die dort lebt, und dem biodynamischen Gemüsegärtner ein Design entworfen. Wir haben uns Konzepte überlegt und den «permadynamischen» Anbau praktiziert. Dem sagten wir intern so.

Seither schaue ich immer mal wieder dort vorbei, so auch letztes Jahr im August, als ich dort oben eine sehr kalte Nacht im Zelt verbrachte. Auf der Axalp lag Schnee – doch unsere Gemüsekulturen, die Obstbäume, die Kräuter, die Beerensträucher, die standen da, stark und robust. Das macht die Gestaltung aus. Hätten wir dort einfach einen Gemüsegarten hingebaut, wäre das Konzept nicht aufgegangen.

Mann in Freizeitkleidung spaziert über ein Feld mit Bergen im Hintergrund
Permakulturgestaltung im alpinen Raum: Der Garten auf der Schweibenalp im Berner Oberland ist ein gelungenes Beispiel. (Foto: zvg)

Die Gartenbauschule Hünibach setzt auf nachhaltigen Landbau. Siehst du eine Verbindung zwischen ihr und der Permakultur?

Ja, unbedingt. Biodynamisch, das ist das höchste Level, wie man Pflanzen kultivieren kann. Dann kommt das nächste Level, und das ist die Gestaltung des Systems. Ich mache immer wieder Beratungen bei biodynamischen Betrieben. Man trägt Sorge zu den Pflanzen, zum Boden ebenso – aber wenn ein Unwetter kommt, gibt es auch im biodynamischen Betrieb Schäden und Ausfälle. Heutzutage sind wir mit extremen Temperaturschwankungen und Wetterkapriolen konfrontiert. Manchmal regnet es in einer Stunde so viel wie sonst in einem Monat. Oder es hagelt einen halben Meter. Da spielt es dann auf einmal keine Rolle mehr, ob etwas biologisch oder biodynamisch ist – kaputt geht es trotzdem. Was es braucht, ist eine Stabilität darum herum.

 

Was braucht man denn eigentlich zum Arbeiten mit der Permakultur? Braucht man bestimmte Instrumente? Schaufeln? Rechen? Material?

Zu Beginn, wenn man so etwas aufbaut, braucht es noch grössere Geräte als Schaufeln, so wie für den Gartenbau auch. Mit der Zeit werden die Geräte immer kleiner. Man versucht, immer weniger einzugreifen. Am Anfang braucht es Eingriffe, für den Aufbau, und wenn das System dann möglichst selbstregulierend ist, versucht man, die Eingriffe zu minimieren.

«Gärtnern von der Hängematte aus – so einfach ist es nicht. Aber man versucht, es sich einfacher zu machen.»

Es gibt ja den Begriff der «Nichts-tun-Landwirtschaft». Geht das überhaupt?

Vielleicht darf man das nicht ganz so wörtlich nehmen. In «Permakultur» steckt ja der Begriff «Kultur». Man muss also etwas tun. Aber man schaut halt, dass man sich zurück hält. Wenn ich das Prinzip «Naturräumlich richtige Anordnung» anwende und ein gutes Design gemacht habe, das möglichst selbstregulierend wird, dann kann ich mich selbst heraus nehmen. Und mein Aufwand ist dann der Pflegeaufwand.

 

Was tut man dann überhaupt noch?

Da gibt es schon noch einiges zu tun. Gärtnern von der Hängematte aus – so einfach ist es nicht. Aber man versucht, es sich einfacher zu machen. Das heisst, ich arbeite zum Beispiel überwiegend mit mehrjährigen Kulturen, mit mehr- oder zweijährigem Gemüse. Oder ich verwende sich selbst aussäende Kulturen. Das schliesst einjährige Kulturen nicht aus, aber ich schaue halt, dass es nicht die Mehrheit ist. Dann habe ich meinen Aufwand schon reduziert. Ansaaten wird es trotzdem brauchen, ich muss pikieren, auspflanzen, bewässern.

 

Stichwort Bewässerung: Welche Bedeutung hat sie in der Permakultur? Was für Lösungen gibt es?

Die produktivsten Ökosysteme auf unserem Planeten sind Feuchtgebiete. Daher versucht man, in einem Permakultursystem ein funktionierendes Wassermanagement zu planen. Das ist einer der ersten Schritte – denn ein Bewässerungsmanagement ist eigentlich schon die halbe Planung. Ohne Wasser ist kein Leben möglich, und wenn ich mir die Bewässerung gut überlegt habe, läuft es in der Regel schon mal gut.

Manche Bewässerungssysteme fungieren gleichzeitig als Nährstoffversorgung, über Sickergräben zum Beispiel. Etwas anders als im biodynamischen Landbau ist auch, dass man versucht, den Boden zu bedecken, zu mulchen, das macht die Natur auch. Wenn ich mulche, bleibt der Boden feuchter und kühler, und ich muss weniger bewässern.

Gruppe von schwarzen Menschen und ein weisser Mensch vor grünem Garten in Togo schauen in die Kamera
Eine Erfolgsgeschichte: «Eco Food for Togo», ein Permakulturprojekt in Afrika. (Foto: Down to Earth)

«Es geht fast überall, im Sand, am Berg, in tropischen und alpinen Zonen und dazwischen sowieso. Es gibt keine Ausreden»

Funktioniert das auch in Afrika und an anderen Orten, wo Dürre herrscht?

Ja, durchaus. Ich war die letzten Jahre mehrmals in Afrika, in Togo, direkt an der Küste, in einer subtropischen Klimazone. Dort habe ich mit Togolesen auf ein paar hundert Quadratmetern einen Demonstrationsgarten aufgebaut, praktisch direkt am Meer, vielleicht zwanzig Meter entfernt, auf sandigem, salzigem Boden mit ständigem Wind vom Meer. Ein Jahr später, als ich wiederkam, fand ich dort einen üppigen Waldgarten mit Papaya, Mango, Lemongrass, Ingwer und vielem mehr. Das Projekt heisst Ecofood für Togo. Es geht jetzt weiter mit Landwirtschaft, und es wird eine Permakulturschule aufgebaut. Dort geht es wirklich ums Überleben für die Menschen. Die brauchen Lösungen, gerade in der Küstenregion, wo die Böden kaum etwas hergeben.

 

Also kann man grundsätzlich überall Permakultursysteme erschaffen?

Es geht fast überall, im Sand, am Berg, in tropischen und alpinen Zonen und dazwischen sowieso. Es gibt keine Ausreden. Permakultur ist sehr lösungsorientiert. Zwar ist jeder Garten anders, doch die Art der Gestaltung ist immer die gleiche.

 

Dann könnte ich das theoretisch auch auf meinem Balkon machen.

Ja. Du wirst zwar keine solche Stabilität hinbekommen wir in einem Garten, aber du kannst auf sehr kleiner Fläche ein sehr üppiges Wachstum erreichen, mit Schichten und Stapeln übereinander, mit Mischkulturen, Wurmkompost und integriertem Bewässerungssystem. Permakultur beginnt eigentlich bei einem selbst, in der Zone Null-Null – und dafür reicht schon eine Fensterbank.

«In der industriellen Landwirtschaft geht es gar nicht um Landbewirtschaftung, sondern ums Geldverdienen. Das geht hinten und vorne nicht auf.»

Masanobu Fukoka, ein weiterer Pionier der Permakultur, sagte: «Die moderne Landwirtschaft wird scheitern». Bist du auch dieser Meinung?

Ja, dem schliesse ich mich an.

 

Warum?

Weil es in der industriellen Landwirtschaft gar nicht um Landbewirtschaftung geht, sondern ums Geldverdienen. Das heisst, Nahrung ist Ware, und multinationale Konzerne versuchen, damit Geld zu verdienen. Die Böden sind kaputt, es hat heute weniger als zwei Prozent Humusgehalt in den Böden. Es braucht einen sehr hohen Input, damit es überhaupt Erträge gibt, wovon ein Grossteil dann sowieso wieder weggeworfen wird. Das geht hinten und vorne nicht auf.

Auch der Weltagrarbericht von 2008 sagt nichts anderes. Darin haben rund vierhundert Wissenschaftler die Landwirtschaftssituation beleuchtet. Zu ihrem Fazit gehört unter anderem, dass es wieder klein strukturierte Höfe braucht, die Nahrung für die Region kultivieren. Da reden wir wirklich von vier bis zehn Hektaren, nicht grösser.

Ein gutes Beispiel für zukunftsfähige Landwirtschaft ist der Kleinsthof Bec Hellouin in Frankreich. Dort erzielen sie mit der Permakultur unglaubliche Erträge auf kleinster Fläche; das ist wirklich eindrücklich.

Studierende der Permakultur stehen und sitzen an Holztischen
«In unsere Kurse kommen viele Quereinsteiger»: Marcus Pan, Leiter der Akademie für Permakulturgestaltung. (Foto: zvg)

Du unterrichtest das Wissen um die Permakultur auf verschiedenen Stufen, vom Einführungskurs bis zur vierjährigen Diplomausbildung. Wer besucht deine Kurse? Und was lernen die Teilnehmenden dort?

Zum grössten Teil sind es Quereinsteiger, und immer mehr Landwirte. Es kommen aber auch Heilpraktiker, Homöopathen, Biologen, Bodenkundler, Gärtner und Gartenbauer. Die jüngsten Teilnehmer sind vierzehn oder fünfzehn Jahre alt und kommen mal schauen, ob das etwas für sie wäre. Es kommen immer wieder junge Menschen, die zum Beispiel eine Gärtnerausbildung gemacht haben und feststellten, dass sie in einem konventionellen Betrieb mit herkömmlichen Methoden nicht glücklich werden.

Wir arbeiten in den Kursen oft praktisch und fangen bei den Basics an: Wie vermehrt man Pflanzen? Wie macht man Aussaaten und zieht Pflanzen gross? Mischkulturen anlegen, Trockensteinmauern bauen, Wasserwege gestalten, Teiche bauen, Heckenkonzepte entwerfen – all die Biotop-Formen und Lebensräume, die in einem Garten vorkommen können.

«Vielerorts geht es derzeit richtig ab, gerade in der Landwirtschaft. In Amerika zum Beispiel entstehen grosse Höfe, es wird solidarische Landwirtschaft betrieben.»

Gärtner/innen und Gartenbauer/innen sind ja schon vom Fach. Lernen sie überhaupt noch etwas Neues in deinen Kursen?

Sie lernen die zwölf gestalterischen Prinzipien kennen und anwenden. Sie erfahren, wie man Permakultursysteme gestaltet – und sie lernen auch etwas über die ethischen Grundsätze, denn Permakultur ist nach meinem Verständnis eine Lebensphilosophie.

Studierende der Permakultur stehen auf einem Feld mit hohem Gras und lassen sich etwas erklären
In den Kursen der Akademie für Permakulturgestaltung lernen die Studierenden, wie ein System auf lange Sicht Bestand hat. (Foto: zvg)

Mit allem, was wir machen, wollen wir grösstmöglichen Nutzen stiften. Deshalb haben solche Gärten immer mehrere Funktionen – nicht nur diejenige, Nahrung zu kultivieren. Mein erstes Projekt realisierte ich in Österreich, als ich mit geistig und körperlich beeinträchtigten Menschen einen rollstuhlgängigen Kleinst-Hof aufbaute. Nach zwei Jahren war das ein kontrollierter Biobetrieb, den ich dann noch vier Jahre leitete. Wir haben Nahrung kultiviert und verkauft – aber eigentlich war das ein Therapiegarten, wo Menschen mit Beeinträchtigung ein normales Arbeitsumfeld hatten. Der Garten war öffentlich, es gab dort kulturelle Veranstaltungen, es mischten sich Gesellschaftsschichten. Und nebenbei kultivierten wir Gemüse. All das darf in einem Permakulturgarten passieren.

 

Du lebst und arbeitest seit zehn Jahren in der Schweiz. Hast du den Eindruck, dass das Interesse an Permakultur zunimmt?

Ich beobachte die Szene seit zwanzig Jahren und habe auch die globale Bewegung auf dem Radar. Vielerorts geht es derzeit richtig ab, gerade in der Landwirtschaft. In Amerika zum Beispiel entstehen grosse Höfe, es wird solidarische Landwirtschaft betrieben.

Seit sechs oder sieben Jahren entstehen auch bei uns in Europa und in der Schweiz. immer mehr Projekte, und wir verzeichnen deutlich höhere Teilnehmerzahlen in den Kursen. Gerade bei den Jungen stelle ich eine Ernsthaftigkeit fest, das merke ich auch bei den Studierenden, die die mehrjährige Ausbildung machen.

«Ich würde auch der Gartenbauschule empfehlen, darüber zu diskutieren, wie die Situation in zwanzig Jahren aussehen könnte.»

Es ist ja auch besonders wichtig, dass gerade junge Leute den Gedanken aufnehmen und in die Welt bringen. Hast du dazu ein konkretes Beispiel?

Kürzlich wurde ich von jungen Studierenden der ZHAW in Wädenswil angefragt, ob ich mit ihnen einen Workshop über Permakultur in der Landwirtschaft machen würde. Die Anfrage kam von ihnen aus, nicht von der Schule. Die sind jetzt alle um die zwanzig Jahre alt. In ein paar Jahren sind das Landwirte, die Landwirtschaftsland kaufen und bewirtschaften. Ich würde auch der Gartenbauschule empfehlen, darüber zu diskutieren, wie die Situation in zwanzig Jahren aussehen könnte. Es kann nicht nur darum gehen, dass man lernt, wie man Pflanzen kultiviert. Man muss auch lernen, wie man es anstellt, damit ein System auf lange Sicht Bestand hat.

 

Marcus Pan, vielen Dank für das Gespräch!

 

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