Umstellung auf torffreie Produktion von Zierpflanzen

Wir haben umgestellt: In der Gartenbauschule werden Zierpflanzen jetzt torffrei produziert. Bereichsleiter Thomas Schmutz erzählt im Interview, was das bedeutet, welche Herausforderungen sich für den Betrieb daraus ergeben und warum man das überhaupt macht.
Von Claudia Fahlbusch

Junge Pflanzen in Treibhaus Gärtnerei
Von nun an werden alle Zierpflanzen in der GSH torffrei produziert. (Foto: GSH) 

Letzten Sommer führte die GSH in Zusammenarbeit mit Jardin Suisse Versuche für die torffreie Pflanzenproduktion durch. Der Grund: Torf ist zwar aus gärtnerischer Sicht ein geniales Produkt, weil er den Pflanzen so viel bietet. Sein Abbau ist jedoch mit grossen Umweltschäden verbunden und zerstört riesige Flächen und Biotope. Ausserdem bindet er sehr viel CO2, das beim Abbau freigesetzt wird und in die Atmosphäre gelangt.

Torfabbau ist in der Schweiz verboten

In der Schweiz ist der Abbau von Torf schon seit 1987 verboten. Nun will der Bund auch den Import und die Verwendung von Torf reduzieren. In diesem Artikel haben wir über unsere letztjährigen Versuche und die Hintergründe berichtet.

Die Versuche fanden statt in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau in der Schweiz (Fibl), Jardin Suisse und Ricoter.

Stauden werden in der GSH (mit Ausnahme von Moorpflanzen) sowieso schon torffrei hergestellt. Nun haben wir unsere Zierpflanzenproduktion vollständig umgestellt. Was das in der Praxis heisst, erzählt uns Thomas Schmutz, Bereichsleiter Zierpflanzen und Ausbildungsverantwortlicher für diesen Bereich.

Mann mit grünem T-Shirt
Thomas Schmutz

Thomas Schmutz, was bedeutet die Umstellung auf torffreie Produktion für die GSH?

Für uns ist die Umstellung der gesamten Zierpflanzenproduktion eine ziemlich grosse «Kiste». Die Kosten für das Substrat sind höher, und die Arbeit ist aufwändiger. Wir müssen anders eintopfen, anders giessen und uns an die optimalen Parameter herantasten.

 

Letztes Jahr liefen die Versuche, indem der Sommerflor torffrei produziert wurde. Welche Erkenntnisse habt ihr daraus gewonnen?

Wir haben festgestellt, dass die Kulturzeiten länger und die Pflanzen kleiner waren. Daraufhin haben wir die Zusammensetzung der Erde angepasst, indem wir unter anderem Kokosfasern beigaben, damit das Wasser besser aufsteigen kann. Weiter reicherten wir die Erde mit Perlit an, einem Vulkangestein, um ein besseres Porenverhältnis zu bekommen. Auch die Düngung mussten wir anpassen – und wir haben festgestellt, dass wir torffrei kultivierte Pflanzen ganz anders giessen müssen.

 

Was versteht man genau unter einem Substrat? Und was ist ein Biodünger?

Ein Substrat ist eine Mischung aus organischen und mineralischen Bestandteilen. In unserem Fall sind das Rindenkompost, Kokosprodukte, Holzfasern und Perlit. Der Rindenkompost enthält lebende Mikroorganismen. Es dauert mehr als ein Jahr, bis dieser einsatzbereit ist und die Mikroorganismen in einem Substrat ihre Aufgaben erfüllen können. Unsere Substrate werden mit verschiedenen Biodüngern angereichert. Als Langzeitdünger setzen wir derzeit Schweizer Schafwolle ein, gepresst in Pellets. Schafwolle enthält einen hohen Anteil Stickstoff, der in einem ersten Schritt durch die Mikroorganismen umgewandelt und für die Pflanzen verfügbar gemacht wird. Erst im zweiten Schritt wird der Stickstoff von den Pflanzen aufgenommen.

Becher und kleiner Haufen Würfel aus Schafwolle
Schafwolle als Bio-Dünger. (Foto: GSH)

Warum gerade Schafwolle?

Es ist ein Schweizer Produkt, noch dazu ein Abfallprodukt, denn als Dünger werden die qualitativ minderwertigeren Anteile der Wolle verwendet. Das ist nachhaltig. Wir sind stets auf der Suche nach nachhaltigen Lösungen, am liebsten solchen aus der Schweiz oder unseren Nachbarländern.

 

Warum verwendet die GSH keinen konventionellen Dünger?

Konventionelle Dünger sind mineralische Dünger. Auch sie brauchen viel Energie bei der Herstellung, und es ist dann eben viel Chemie drin. Genau das wollen wir im biologischen Landbau vermeiden. Nach unserem Verständnis beginnt Gesundheit schon beim Anbau.

Hand gefüllt mit Erde
Die «neue Erde» ohne Torf. (Foto: GSH)

Welche Alternativen gibt es sonst noch?

Hanf ist vielversprechend, denn er bindet am wenigsten Stickstoff, und den brauchen die Pflanzen. Es dürfte aber problematisch sein, Hanf auf ausreichend grossen Flächen anzubauen. Weiter gibt es Versuche mit Schilfgras oder Mais. Bei Mais treten wir aber in Konkurrenz mit Biotreibstoff, Futtermitteln und nicht zuletzt mit der Lebensmittelindustrie. Auch mit Hornspänen geimpfte Holzfasern verwenden wir in unserer Erde. Dort haben wir aber das Problem, dass die Hornspäne aus der ganzen Welt kommen, was auch wieder nicht nachhaltig ist. Die Hornspäne benötigen wir aber, um der Festlegung des Stickstoffs durch die Mikroorganismen entgegen zu wirken, denn der Stickstoff sollte eigentlich den Pflanzen zur Verfügung stehen.

 

Worin besteht die Herausforderung bei der torffreien Produktion?

Das Giessen ist ein bisschen eine Wissenschaft; wie oft soll man und zu welchen Zeiten. Das müssen wir ausprobieren. Wir führen Buch über Veränderungen im Substrat, beim Dünger, protokollieren die Bewässerung und die Temperatur. Fällt die Bodentemperatur beispielsweise unter zwölf Grad Celsius, findet keine Düngerumsetzung statt.

 

Was ist das Spezielle an der Arbeit mit Biodünger?

Bei der Arbeit mit Biodünger muss man viel vorausdenken. Es sind sehr träge Prozesse bei tieferen Bodentemperaturen, und wir müssen reagieren, bevor die Pflanzen beispielsweise Anzeichen einer Mangelversorgung zeigen. Deshalb nehmen wir regelmässig Bodenproben und machen Messungen. Wir untersuchen, wie viele Nährstoffe im Boden gelöst sind, das heisst für die Pflanzen verfügbar. Kürzlich wurden im Rahmen des Bundesversuches Temperaturmessgeräte in Erdballen von Pflanzen installiert. Wir beobachten und notieren auch jeden Tag die Wetterdaten. Ein ehemaliger Lernender wertet alle Daten für uns aus.

 

Apropos Lernende: Was sagen sie dazu?

Sie bekommen natürlich mit, was wir hier machen, und wir vermitteln es ihnen auch. Zahlreiche Lernende absolvieren ihre Ausbildung bei uns, weil sie genau das wollen: mit der Natur zusammenarbeiten. Solche Versuche sind spannend, auch für sie.

 

Werden denn jetzt noch weitere Versuche durchgeführt?

Gegenüber letztem Jahr haben wir die Sache sozusagen umgekehrt. Wir führen jetzt Versuche mit konventioneller Erde durch, parallel zur torffreien Produktion, quasi als Kontrolle. Und wir suchen weiter nach torfähnlichen Produkten und experimentieren damit.

 

Torffreie Pflanzen sind für die GSH aufwändiger punkto Arbeit und Kosten, doch der Verkaufspreis bleibt gleicht. Warum macht ihr das überhaupt?

Wir leisten Pionierarbeit und wollen mit gutem Beispiel vorangehen. Als Think Tank für die Bio-Produktion erarbeiten wir Wissen, das allen zugänglich sein soll – nicht nur unseren Lernenden, sondern auch anderen Gärtnereien. Diesen zeigen wir gerne unseren Weg bei der torffreien Pflanzenproduktion, und wir teilen unser Wissen mit ihnen.

Thomas Schmutz, vielen Dank für das Gespräch!

 

1 Kommentar

  1. maia kunz

    liebe LehrerInnen, liebe Lernende, mich freuts sehr, dass ihr euch mit grosser Energie für die Bio-Qualität der Erde/Setzlinge/Pflanzen einsetzt, dass ihr es so genau wissen und machen wollt…für uns alle! Ganz herzlichen Dank, auch im Namen meiner Kinder und Enkelinnen. Alles Gute für eure Arbeit und einen schönen Erfolg wünscht euch maia kunz/ Aathal-Seegräben/ZH

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