«Als Naturgärtner betrachten wir das Ganze als System»

Wasser spielt im Naturgarten eine wichtige Rolle. Naturgärtner Christoph Walther erzählt im Interview, wie er an so ein Projekt heran geht – und warum ein Trockenstandort manchmal die bessere Wahl ist.
Von Claudia Fahlbusch

Kleiner, flacher Teich mit klarem Wasser in einem Garten, von oben betrachtet
Wasser ist ein wichtiges Element im Naturgarten. (Foto: Béatrice Devènes)

 Als Naturgärtner achtet Christoph Walther auf die Zusammenhänge in der Natur – und darauf, wie die Elemente im Garten zueinander in Beziehung stehen. Das gilt auch für das Element Wasser. Im Interview erzählt er, wie er unsere Kunden berät und worauf man achten sollte, wenn man sich Wasser in den Garten holen will.

 

Porträt von zirka 35-jährigem Mann mit braunen kurzen Haaren und braunem Schnauz und Bart
Christoph Walther.

Christoph Walther, welche Rolle spielt Wasser im Naturgarten?

Es gehört als Element dazu – egal in welcher Form. Hauptsache, es ist verfügbar, beispielsweise für Insekten oder Vögel, die daraus trinken.

 

Wie gehst du als Naturgärtner an so ein Projekt heran?

Als erstes interessiert mich die Umgebung. Ich schaue, was sich rund ums Gebäude befindet. Dann will ich wissen, wo der Kunde das Wasser möchte. Ich begutachte den Standort und bespreche mit dem Kunden die Konsequenzen bezüglich Aufwand, Unterhalt und Kosten. Und ich überlege mir auch, ob Wasser an diesem Standort überhaupt eine gute Idee ist.

 

In welchen Fällen ist Wasser im Garten keine gute Idee?

Wenn der Aufwand unverhältnismässig gross ist und wenn es nicht sinnvoll ist, weil das Wasser an dieser Stelle für die Natur keinen Nutzen hat. Vielleicht gibt es einen anderen Standort als den, den der Kunde vorgesehen hat, dann kann man das Projekt dorthin verschieben.

Wenn es nichts gibt ausser einem sonnigen «Bitz», einer Südfassade, dann zeige ich dem Kunden die Problematik auf. Dazu gehört erstens die Technik, die man auffahren muss, und später auch der Unterhalt. Der Gartenbesitzer muss ja dafür sorgen, dass das System in Balance bleibt und nicht kippt. Das könnte an so einem Standort ein Riesenaufwand sein. Er muss entscheiden, ob er diesen Aufwand an Kosten und Unterhalt wirklich leisten will oder ob ein Trockenstandort nicht doch die bessere Lösung ist.

 

Welche Voraussetzungen sind optimal?

Projekte mit Wasser gelingen grundsätzlich dort gut, wo es sowieso schon feucht ist und lehmigen Boden hat. Dort kann man unter Umständen sofort einen Tümpel oder Teich bauen und braucht nicht viele Hilfsstoffe zum Verdichten. Gut ist auch, wenn es in der Nachbarschaft schon Teiche gibt, denn so können die Gewässer sich austauschen und bringen eine bessere Genetik hervor.

 

Gibt es den idealen Standort für einen Teich oder eine andere Form von Wasser im Garten?

Generell gilt: Es darf nicht zu schattig und nicht zu sonnig sein. Optimal ist ein halbschattiger Bereich. Dort findet das ganze System ideale Bedingungen. Als Naturgärtner beziehe ich die Umgebung mit ein. Ein Teich direkt neben einer Strasse führt dazu, dass später ständig Frösche überfahren werden, die über die Strasse zum Teich wollen. Dann richtet man unter Umständen mehr Schaden an, als dass es der Natur nützt.

Problematisch kann ein Standort auch sein, wenn direkt oberhalb eine Wiese liegt, von der bei Regen Nährstoffe eingeschwemmt werden. Das könnte dann zu starkem Algenwuchs führen. Als Naturgärtner sehen wir das Ganze als System, nicht nur den Teich als isoliertes Element. Die Frage lautet immer: Was passt am besten zum Standort? Womit kann man Biodiversität am besten fördern?

 

Angenommen, ich habe tatsächlich nur einen vollsonnigen Standort. Was kann ich dort machen? Was ist attraktiv?

Eine Ruderalfläche zum Beispiel, mit Wand- oder Rundkies. Den Kies kann man aufschütten und daraus Landschaften gestalten mit verschiedenen Expositionen, West- und Ostseite, mit mehr Schatten oder mehr Sonne. So kann man Pflanzengemeinschaften schaffen, die auch wirklich dorthin passen.

Man kann Sanddorn pflanzen, der es gerne trocken und sonnig hat, Hauswurz, Thymian und Salbei. Dann kann man immer noch eine Wanne oder einen ausgehöhlten Stein hinzufügen und mit Wasser füllen. Dieser Aufwand ist nicht gross, da giesst man einfach immer schön Wasser nach mit der Giesskanne. Solche Landschaften finden wir in Flussauen, Geröllfeldern oder in Kiesgruben. Dort gedeihen auch die typischen Pflanzengemeinschaften.

Teichlandschaft in einem Garten, mit kleinem Wasserfall und Gräsern als Wasserpflanzen
Wasserlandschaften können im kleinen oder grösseren Massstab umgesetzt werden. (Foto: Béatrice Devènes)

Was ist überhaupt gemeint, wenn wir von Wasser im Garten sprechen? Ist damit ein Teich gemeint oder könnte es beispielsweise auch ein Bachlauf sein?

Wasser im Garten hat viele Formen. Das kann ein Vogelbad sein oder eine Pfütze, die temporär austrocknet, oder ein Schwimmteich, ein Bio-Pool, ein Teich für Amphibien, ein Brunnen, ein Wasserspiel oder ein Bachlauf.

 

Wie kann man einen Bachlauf durch den Garten legen?

Ich durfte kürzlich so ein Projekt realisieren. Es ging um einen Mühlibach, der unter den Boden gelegt worden war. Den holten wir wieder an die Oberfläche und gestalteten einen Bachlauf. So hat man einen Durchlauf und immer Frischwasser. Aber es geht auch anders, mit einem Bach, der ein Kreislaufsystem ist. Dafür braucht es eine Pumpe und ein Gefälle. In diesem Kreislauf zirkuliert immer das gleiche Wasser. Durch Regen kommt etwas hinzu, und im Sommer müssen die Besitzer selber etwas nachgiessen.

 

Ein Bachlauf wäre aber eher ein grösseres Projekt und nicht unbedingt geeignet für den Kleingarten, oder?

Man kann grundsätzlich alles klein oder gross bauen, auch Bachläufe und Teiche. Hier kommen wir nun zu einem Problem: Je kleiner der Teich, desto schneller erwärmt er sich im Sommer, und dann gibt es Algenwachstum, und es ist auch für die Ökologie nicht wahnsinnig wertvoll. Grössere Teiche mit mehr als 80 Zentimetern Tiefe sind interessant. Dort können Tiere auch überwintern. Wenn es weniger tief ist, gefriert es durch und die Tiere sterben.

In grösseren Teichen hat man Flach- und Tiefwasserzonen und den ganzen Bereich dazwischen. Das bewirkt von Natur aus, dass es eine Umwälzung gibt: unten ist kaltes und oben warmes Wasser. Bei kleineren Gewässern funktioniert diese natürliche Umwälzung nicht. Deshalb muss man Umwälzpumpen einsetzen oder das Wasser auf andere Weise kühlen, beispielsweise durch Vergraben des Behälters, wenn man ein Gefäss einsetzt.

 

Braucht der Teich im Naturgarten eine Folie?

Das fragen die Kunden häufig. Sie wollen einen Naturgarten, am liebsten ohne Folie. Wenn lehmiger Boden vorhanden ist, kann man höchstwahrscheinlich ohne Folie arbeiten. Bei grösseren Teichen verdichtet man den Boden mit Lehmziegeln und schwerem Gerät. Bei kleineren Teichen geht das weniger gut. Darum kommt man um eine Folie oft nicht herum. Wichtig ist einfach, dass man keine PVC-Folie benutzt, sondern eine EPDM-Folie. Das ist eine Kautschuk-Folie.

 

Wie lange halten diese Folien?

Eine PVC-Folie hält zirka 15 Jahre, und sie wird schon vorher spröde. Man kann sie nicht flicken. Eine EPDM-Folie hat eine Lebensdauer von 40 Jahren, ist dauerelastisch, wird nicht spröde und ist UV-beständiger. Sie ist auch unbedenklich für die Umgebung, denn sie sondert keine Stoffe ab. Man muss die Folie gut schützen, mit Vlies auf beiden Seiten, wenn oben noch Mauern und Steine platziert werden sollen.

 

Kann man selber einen Teich bauen, wenn man nicht vom Fach ist?

Ja, das kriegt man hin, wenn man Zeit und Manpower hat. Es gibt viele gute Bücher und Informationen. Wichtig ist, dass man den Teichrand ausnivelliert, so dass er überall gleich hoch ist, wegen dem Wasserspiegel. Der Teichrand muss unbedingt erhöht sein, damit keine Nährstoffe aus der Umgebung ins Wasser gelangen. Auch Substrat und Kies müssen nährstoffarm sein, also gewaschen.

 

Macht es einen Unterschied, ob ich einen Naturgärtner oder einen konventionellen Gärtner mit meinem Wasserprojekt beauftrage?

Ich habe den Eindruck, dass der konventionelle Gärtner vielleicht etwas weniger genau hinschaut und einfach Kundenwünsche umsetzt. Der Kunde will einen Teich an einer bestimmten Stelle, also baut man diesen Teich mit allen technischen Hilfsmitteln, das ist ja kein Problem. Wir dagegen möchten möglichst wenig Technik einsetzen und achten auf die Umgebung. Unser Augenmerk gilt stabilen Systemen, die wenig Input brauchen und sich selbst regulieren.

 

Christoph Walther, vielen Dank für das Gespräch!

Mehr dazu

Mini-Teiche für den Kleingarten, Interview mit Christian Mathys, Bereichsleiter bei den Stauden
Naturnaher Gartenbau durch die Biogärtner der GSH

Literatur dazu

– Wasser im Garten: Himmelhuber, ökobuch
– Teich kompakt: Hagen/Haberer, Ulmer
Teichbau und Teichtechnik: Hagen, Ulmer

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