«Demeter-Setzlinge sind robuster und besser durchwurzelt»

Die GSH produziert Gemüsesetzlinge ausschliesslich in Demeter-Qualität. Was ist das Besondere an diesen Setzlingen? Und was ist der Unterschied zu Bio? Agrotechniker Toni Wanner gibt Auskunft.
Von Claudia Fahlbusch

Gärtner in Gewächshaus hält eine schwarze Anpflanzschale in die Kamera
Agrotechniker Toni Wanner zeigt die Quick Pots, in denen die Demeter-Setzlinge heranwachsen. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Seit jeher ist die Gartenbauschule Hünibach nach Demeter zertifiziert, dem Qualitätslabel der biodynamisch angebauten Lebensmittel. Das heisst, dass sämtliche Setzlinge in dieser Qualität produziert werden, mit Ausnahme von Zwiebeln und Lauchgewächsen, weil diese bereits im Januar angezogen werden müssen und dafür der Platz fehlt.

Aber was genau heisst «Demeter-Qualität» in Bezug auf Setzlinge? Was ist der Unterschied zu konventionellen Setzlingen oder solchen in Bio-Qualität? Und was gilt es beim Anbau zu beachten? Agrotechniker Toni Wanner gibt Auskunft.

 

Toni Wanner, wie unterscheidet sich der Anbau von Gemüsesetzlingen in Demeter-Qualität vom konventionellen Anbau?

Konventionelle Setzlinge werden schneller herangezogen und wurden auch schon anders gezüchtet. Dort geht es in erster Linie darum, dass man die Pflanze ernährt, mit einem mineralischen Kunstdünger. Wir aber wollen primär den Boden ernähren. Dies erreichen wir durch den Einsatz von Hofdünger, also Mist, sowie Kompost und einer Fruchtfolge mit Kleegras. Aus diesem Boden soll dann die Pflanze die Nährstoffe aufnehmen und wachsen.

Unterschiede gibt es auch in der Temperatur: Wir heizen auf acht Grad in den Gewächshäusern im Seefeld. Die konventionellen dürfen auf fünfzehn bis zwanzig Grad heizen. Im konventionellen Anbau wird den Setzlingen eine Start-Düngung mit Mineraldünger gegeben.

 

Junge Gemüsesetzlinge im Gewächshaus einer Gärtnerei
Im Gewächshaus wachsen die jungen Setzlinge heran. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Was für Saatgut verwendet ihr?

Alles Saatgut ist mindestens Bio-Suisse-zertifiziert. Es wird zwar teilweise in Demeter-Qualität gezüchtet, zum Beispiel von Sativa oder Bingenheimer in Deutschland, aber die Vermehrung findet dann in Bio-Betrieben statt.

«Bei den offen Abblühenden die Samen selber nehmen. Das können auch unsere Kunden, wenn sie das Gemüse pflanzen und blühen lassen.»

Wenn das Saatgut Bio-zertifiziert ist – wo liegt dann der Unterschied?

Was den Setzling betrifft, gibt es kaum Unterschiede. Diese liegen vor allem im Anbau, wie soeben schon erwähnt, indem wir primär den Boden ernähren und nicht die Pflanze. Von der Sortenwahl her gehen wir in Richtung offen abblühende Pflanzen; auch das ist ein Unterschied zu Bio. Dort werden vor allem Hybrid-Samen verwendet, gleich wie im konventionellen Anbau.

Die Schwierigkeit für uns ist dabei, dass die offen Abblühenden ein bisschen schlechter keimen, so dass man mehr Samen braucht, und dass sie ein wenig langsamer wachsen. Sie geben teilweise auch etwas geringeren Ertrag, so dass es beispielsweise kleinere Salatköpfe oder kleinere Kohlrabi gibt. Dafür kann man bei den offen Abblühenden die Samen selber nehmen. Das können auch unsere Kunden, wenn sie das Gemüse pflanzen und blühen lassen.

«Wir sind auch beim Gemüse auf dem Weg zur torffreien Produktion»

Welche spezielle Pflege bekommen Demeter-Setzlinge?

Wir verwenden für alle Setzlinge das Fladenpräparat nach Maria Thun, das wir einmal im Monat über alle Setzlinge ausbringen. Es soll eine ähnliche Wirkung haben wie Hornmist und Hornkiesel zusammen. Ein zusätzlicher Schritt wäre der Einsatz von Erde, die mit Demeter-Präparaten versetzt wurde, also mit Kompostpräparaten. Das wollen wir auch ausprobieren.

Viele grüne Peperoni-Setzlinge im Gewächshaus einer Gärtnerei
Die GSH kultiviert rund 40 verschiedene Gemüsesetzlinge in Demeter-Qualität. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Bei den Zierpflanzen wird in der GSH nur noch torffreie Erde verwendet. Wie ist das beim Gemüse und bei den Setzlingen?

Wir sind auch beim Gemüse auf dem Weg zur torffreien Produktion. Derzeit beträgt der Torf-Anteil bei uns im Gemüsebau noch dreissig Prozent, erlaubt sind siebzig Prozent. Da sind wir noch am Ausprobieren. Unser Ziel ist es, ganz davon wegzukommen.

 

Worauf muss man achten beim Anbau mit torffreier Erde?

Das Giessen ist anspruchsvoller, weil es weniger Wasserspeicher hat. Auch die Düngung ist etwas problematisch, weil im Torf gewisse Nährstoffe vorhanden sind. Vor allem bei den Tomaten haben wir gemerkt, dass sie einfach nicht mehr so wachsen wollten. Jetzt mischen wir die Erde, die wir torffrei bekommen, mit Schafwolle-Biorga-Quick- und Biosoldünger, so können wir das ausgleichen. Ganz allgemein muss man mehr beobachten und frühzeitig reagieren, wenn sich ein Problem abzeichnet. Wir stehen in engem Austausch mit unserem Substratlieferanten.

 

Demeter heisst ja auch, dass beispielsweise auf Mondphasen geachtet wird. Gilt das auch für die Gemüsesetzlinge?

Wir versuchen, darauf zu achten, aber das Wetter und die Prozesse im Betrieb haben Vorrang. Wir säen von Montag bis Mittwoch aus, unabhängig vom Mond. Wir müssen im Rhythmus bleiben, damit wir jede Woche unser Gemüse haben.

 

Wie lange dauert es, bis ein Setzling in den Verkauf gelangt?

Von der Aussaat bis zum Verkauf dauert es je nach Gemüse vier bis sechs Wochen. So lange werden die Setzlinge bei uns gepflegt.

Vier bis sechs Wochen alte Gemüsesetzlinge im Folientunnel einer Gärtnerei
Die vier bis sechs Wochen alten Setzlinge sind bereit für den Verkauf. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Von welcher Menge Setzlinge sprechen wir überhaupt? Und wer sind die Abnehmer?

Pro Jahr kultivieren wir zirka 180’000 Setzlinge. Nur einen kleinen Teil brauchen wir für uns; der grösste Teil gelangt in den Verkauf, sprich in unseren Laden. Ein paar Kunden beliefern wir direkt, darunter auch einige Bauern aus der Umgebung. Einer von ihnen nimmt dieses Jahr 7000 Setzlinge.

«Ein Qualitätsmerkmal ist die Widerstandskraft der Setzlinge. Diese erreichen wir durch das «Abhärten» in den Schattiertunneln.»

Wie hat sich die Nachfrage in den letzten Jahren entwickelt?

Sie hat in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. Wir möchten das Angebot ausbauen, aber dafür brauchen wir mehr Platz.

 

Welche Gemüsesorten sind momentan als Setzlinge in Demeter-Qualität bei euch erhältlich?
Es sind wohl gegen vierzig verschiedene Gemüse, unter anderem Kohl, Kohlrabi, Salat, Tomaten, Peperoni, Kardy, Auberginen, Artischocken, Krautstiele gelb und rot, Bodenkohlrabi und viele weitere. Wir bauen auch zahlreiche Raritäten an, einschliesslich ProSpecieRara-Sorten.

 

Merkt man es den Demeter-Setzlingen an, dass sie anders sind als konventionelle?

Allerdings. Sie sind robuster und besser durchwurzelt, weil sie nicht im Presstopf, sondern im Quick Pot herangezogen werden. Das ist eine Platte mit Vertiefungen, die mit Erde gefüllt werden. Dort hinein kommen die Samen, und wenn man später diesen Erdball mit der Pflanze herausdrückt, sieht man, wie gut die Erde durchwurzelt ist. Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Widerstandskraft der Setzlinge. Diese erreichen wir durch das «Abhärten» in den Schattiertunneln. Das sind eine Art Folientunnel, über die statt Folie ein Schattiernetz gespannt ist. Die gute Qualität fällt auch unseren Kunden auf; wir bekommen diesbezüglich viel positives Feedback.

Toni Wanner, vielen Dank für das Interview!

Alle Setzlinge in Demeter-Qualität können Sie bei uns kaufen – zum Beispiel am Frühlingsfest vom 27. April 2019.

 

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