Mini-Teiche für den Kleingarten

Wasser im Garten, das wünschen sich viele – doch geht das auch, wenn man wenig Platz hat? Was muss man beachten – und welche Pflanzen eignen sich dafür? Staudengärtner und Bereichsleiter Christian Mathys gibt Auskunft.
Von Claudia Fahlbusch

Blick von oben in eine Zinkwanne gefüllt mit Wasser und Wassefplflanzen
Wasser im Garten – das geht auch auf kleiner Fläche. Unter Wasser sieht man das Tausendblatt. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Wie klein darf ein Teich oder ein «Wassergarten» sein, damit überhaupt etwas darin wächst? Wir fragten jemanden, der sich damit auskennt.

 

Porträt von 40-jährigem Mann mit braunen Haaren, haarfreier Stirn, glatt rasiert
Christian Mathys.

Christian Mathys, in der Hitze des Sommers scheint Wasser im Garten besonders verlockend. Welche Möglichkeiten hat jemand, der nicht viel Platz im Garten hat?

Mini-Teiche kann man anlegen in alten Waschzubern oder Zinkwannen, «Gepsi» genannt, oder in ausrangierten Weinfässern. Im Grunde genommen eignet sich auch jedes robuste Steingutgefäss, das den Winter draussen übersteht, ohne Risse zu bekommen. Glasierter Ton würde wahrscheinlich gesprengt, wenn das Wasser gefriert. Die günstigste Lösung sind diese Plastikwannen, die man auch in der Landi bekommt. Sie sind halt einfach nicht so schön anzusehen.

 

Angenommen, ich habe einen Mini-Teich in einem Becken. Das Wasser darin wird ja nicht bewegt, und die Sonne scheint darauf. Brauche ich eine Pumpe?

Nicht, wenn man es richtig angeht und für die nötige Kühlung sorgt. Dazu braucht es lehmhaltige Erde. Man sollte die Becken idealerweise zu drei Vierteln mit solcher Erde füllen. Das hilft beim Kühlen. Wenn man weniger Erde darin hat, erwärmt sich das Wasser sehr schnell und Algen vermehren sich in Windeseile. Unter Umständen kippt das ganze System, und dann stinkt es. Man kann das Becken auch vergraben, damit die Erde das Wasser kühlt. So funktioniert es ebenfalls – selbst ohne Pumpe. Auf keinen Fall darf man Blumenerde dafür verwenden. Die Wasserpflanzen lieben Nährstoffe, aber die Algen leider auch. Deshalb sollte die Erde «mager» sein.

 

Wo bekommt man die geeignete Erde?

Die kann man aus dem Garten nehmen – aber nicht dort, wo viel gedüngt wurde, sonst bekommt man ein Algenproblem. Oder man vermischt die Erde mit 20 bis 30 Prozent Sand.

 

Reicht das denn zur Vorbeugung von Algenwuchs?

Der Standort ist wichtig. Ich empfehle halbschattige bis sonnige Standorte, denn Wasserpflanzen sind Sonnenkinder. Nicht geeignet sind vollsonnige Standorte. Dort wird das Wasser definitiv zu warm. In grösseren Gefässen kann man ein Tausendblatt pflanzen. Es wächst unter Wasser wie eine Art kleine Tanne und hält die Algen in Schach, indem es ihnen Nährstoffe wegnimmt. Und es fördert die Biodiversität.

 

Gibt es eine Mindestgrösse oder ein Mindestvolumen für Teiche und Gefässe, damit dort überhaupt etwas wachsen kann?

Mein Kleinstes war ein bauchiger Topf von ungefähr der Grösse eines Fussballs. Den habe ich bis unter den Rand mit Erde gefüllt, so dass er immer ganz wenig Wasserstand hatte. Das hat jahrelang gut funktioniert. Je kleiner das Gefäss, desto besser muss man es beobachten, beispielsweise den Wasserstand. Und dann ist es entscheidend, was man darin pflanzt. In diesen kleinen Topf hätte ich natürlich keine Sumpfschwertlilie gepflanzt. Dafür habe ich einen Froschlöffel gewählt.

 

Diese Mini-Teiche bleiben im Winter draussen. Wie vertragen Wasserpflanzen die Winterkälte?

Für die meisten ist das kein Problem. Mein Eichenfass daheim ist freistehend und gefriert im Winter komplett durch. Und im nächsten Jahr sind die Pflanzen dann wieder voll da. Gut ist, wenn man zum Überwintern ein Bündel Stroh oder ein, zwei Holzscheite ins Wasser gibt, auf die der Frost drücken kann. Dann sind die Gefässe weniger belastet, wenn das Wasser darin gefriert. Will man ganz sicher gehen, kann das Gefäss draussen an einer Hauswand überwintert werden.

 

Welchen Aufwand verursacht ein Mini-Teich?

Wenn ein Becken gut gemacht ist, ist es pflegeleicht. Die Pflanzen, mehrheitlich Stauden, sind alle mehrjährig. Wir haben in der GSH Becken, die sind sicher schon zehn Jahre alt, ohne dass wir je etwas daran gemacht hätten. Und bei anderen muss man schon nach fünf Jahren etwas «nachhelfen». Jedes Becken ist anders. Empfehlenswert sind im Frühling das Herausputzen und Herunterschneiden.

 

Welche Pflege brauchen Wasserpflanzen?

Im Laufe der Zeit geht die Wüchsigkeit zurück, weil alle Wasserpflanzen es nährstoffreich lieben. Im ersten Jahr wird beispielsweise eine Sumpfschwertlilie fast eineinhalb Meter hoch, und in den folgenden Jahren wird sie immer kleiner. Dann hat man verschiedene Möglichkeiten. Entweder man gibt etwas Dünger in einen Lehmklumpen, macht ein Loch und drückt den Klumpen direkt bei den Wurzeln der Wasserpflanze hinein. Man darf den Dünger auf gar keinen Fall ins Wasser schütten, sonst hat man ein grosses Problem mit den Algen. Oder man teilt die Pflanze und gibt frische Erde ins Becken.

 

Muss man das Wasser irgendwann wechseln, oder muss man Wasser zugiessen?

Man muss nonstop nachgiessen. Einen solchen Mini-Teich behandelt man wie eine ganz normale Topfpflanze. Wenn ich meine Kräuter giesse, die daneben stehen, giesse ich die Wasserpflanzen gleich mit. Sie dürfen auf keinen Fall austrocknen.

Verschiedene Wasserpflanzen im Aussenverkauf einer Gärtnerei
Wasserpflanzen sind in der GSH erhältlich, Beratung inklusive. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Welche Pflanzen eignen sich für Mini-Teiche?

Es kommt darauf an, welchen Wasserstand man will. Das ist immer die erste Frage, die ich unseren Kunden stelle. Danach suche ich die entsprechenden Pflanzen aus. Problemlose und schöne «Einsteigerpflanzen» für zirka zehn Zentimeter Wasserstand sind zum Beispiel der Froschlöffel, die Sumpfdotterblume oder auch die Sumpfschwertlilie, das Pfeilkraut und der Rohrkolben. Letztere sind allerdings starkwachsend und brauchen grosse Gefässe. Etwas anspruchsvoller sind unter anderem Fieberklee und die Seekanne, auch Teichenzian genannt.

Auch ein Sumpfbecken ist ein Mini-Teich. Dort hat man nur einen bis zwei Zentimeter Wasserstand – ideale Bedingungen für das Sumpfvergissmeinnnicht, die Gauklerblume, die Sumpfdotterblume, den Zwergrohrkolben oder die sibirische Schwertlilie.

 

Und Seerosen?

Seerosen sind etwas für «Fortgeschrittene». Sie sind heikel beim Überwintern, denn sie dürfen im Gefäss nicht durchfrieren. Bei zu sonnigem Stand während der Wachstumsphase kann sich das Wasser zu stark erwärmen und die Seerose geht ein. Sie braucht 40 bis 90 Zentimeter Wasserstand, und ich empfehle sie grundsätzlich nur für grössere Behältnisse.

 

Ist ein Mini-Teich nicht eine ideale Brutstätte für Mücken?

Meiner Erfahrung nach nicht – insbesondere nicht, wenn sich mückenfressende Tiere darin ansiedeln. Mein Eichenfass ist ja nicht gross, aber innerhalb eines Jahres waren dort Libellen, die sich verpuppt haben, sowie Schnecken und kleine Krebse. Wenn die Gefässe vergraben werden, siedeln sich zusätzlich Frösche und Molche an.

 

Wann ist die ideale Jahreszeit, um einen Mini-Teich zu installieren?

Wasserpflanzen pflanzt man in die Wärme der Jahreszeit hinein. Generell kann man ab April durch den Sommer hindurch bis im September anfangen. Im Sommer gehen die Wasserpflanzen «ab wie Raketen», weil das Wasser schön warm ist.

Im Vordergrund die violetten Blüten einer Schwertlilie im Aussenverkauf einer Gärtnerei, im Hintergrund Pflanzkisten mit grünen Pflanzen
Sibirische Schwertlilie. (Foto: Claudia Fahlbusch

Hast du Tipps zum Anpflanzen?

Gleich zu Anfang sollte man mit dem Wasserstand noch nicht auf Endhöhe gehen, damit die Pflanzen schneller anwachsen. Sobald man sieht, dass sie in die Höhe gehen, kann man auffüllen. Und man muss natürlich die Pflanzen gut andrücken, damit sie festen Halt haben.

 

Mit welchen Kosten muss man rechnen?

Wasserpflanzen sind grundsätzlich eher teuer, weil die Kultivierung aufwändig ist. Man braucht Becken und Wasser. Deshalb kostet eine Wasserpflanze schnell einmal zwischen 10 und 50 Franken. Seerosen zum Beispiel kosten 50 Franken oder mehr.

Nehmen wir ein 70-Liter-Gepsi als Beispiel: Dort empfehle ich drei, maximal vier Pflanzen zu zirka 10 Franken, macht also 40 Franken für die Pflanzen. Dazu kommt die Erde, da rechnet man etwa 50 Liter, sprich 20 bis 30 Franken. Man könnte also sagen: Für 100 Franken bekommt man die Erde und die Pflanzen. Und dann braucht man noch das Gefäss.

 

Wo bekommt man geeignete Gefässe, die gut aussehen?

Diese «Gepsi» findet man oft in Brockenstuben. Allerdings können sie recht teuer sein, denn sie sind gefragt. In der Ostschweiz gibt es eine Firma, die extra Holzfässer für Wasserpflanzen anbietet. Auch sie haben ihren Preis, sind aber von der Ästhetik her unübertroffen. Und sie halten mehrere Jahrzehnte.

 

Christian Mathys, vielen Dank für das Gespräch!

Interessieren Sie sich für einen Mini-Teich im Garten? Wir beraten Sie gerne!

Botanische Namen der Wasserpflanzen

Froschlöffel, Alisma plantago-aquatica
Sumpfdotterblume, Caltha palustris
Sumpfschwertlilie, Iris pseudacorus
Sibirische Schwertlilie, Iris sibirica
Pfeilkraut, Sagittaria sagittifolia
Rohrkolben, Typha latifolia
Zwergrohrkolben, Typha minima
Fieberklee, Menyanthes trifoliata
Seekanne bzw. Teichenzian, Nymphoides peltata
Sumpfvergissmeinnnicht, Myosotis palustris
Gauklerblume, Mimulus luteus
Seerosen, Nympaea-Arten

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Impressionen

(Alle Fotos: Claudia Fahlbusch)

Grüne Stängel eines Rohrkolbens, Wasserpflanze, in einem runden Zinktopf, der draussen steht
Rohrkolben (Typha latifolia).
Sibirische Schwertlilie (violett) in einer Zinkwanne in Gärtnerei draussen
Vorne: Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica); hinten: Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus).
Gelbe Sumpfdotterblume (Wasserfplanze) draussen in einer Gärtnerei
Sumpfdotterblume (Caltha palustris).
Verschiedene Wasserpflanzen im Aussenverkauf einer Gärtnerei
Wasserpflanzen für grosse und kleine Teiche gibt es in der GSH.

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