Stauden «made in Hünibach»

In der Gartenbauschule machen wir möglichst viel selbst, vom Saatgut bis zur Pflanze. Milena Jutzet, Staudengärtnerin im 3. Lehrjahr, erklärt am Beispiel der Staudenkultivierung, was das heisst.
Von Claudia Fahlbusch

Junge Gärtnerin mit Stirnband im Staudenquartier
Milena Jutzet, Staudengärtnerin im 3. Lehrjahr. (Foto: Claudia Fahlbusch)

In der Gartenbauschule hegen und pflegen wir junge Pflänzchen, bis sie bereit sind für den Verkauf – und zwar von Anfang an. Es sind somit im wahrsten Sinne des Wortes Pflanzen «von hier», gekeimt und gewachsen am Thunersee.

Biodynamisch und nachhaltig kultiviert

Für viele unserer Kundinnen und Kunden ist das wichtig: Sie wollen Pflanzen, die nicht nur biologisch/biodynamisch kultiviert wurden, sondern auch nachhaltig, ohne Transportwege, Verpackungsmaterial und mit möglichst geringem Energieverbrauch.

Ein gutes Beispiel dafür sind unsere Stauden. Fast alle der rund 600 Sorten kultivieren wir vom Saatgut bis zur Pflanze auf unserem Grund und Boden. Milena Jutzet, Staudengärtnerin im 3. Lehrjahr, führt uns ins Staudenquartier und erklärt die einzelnen Schritte.

Beete mit jungen Stauden in Gärtnerei und junge Gärtnerin, die durch das Quartier geht
Im Staudenquartier der Gartenbauschule. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Milena Jutzet, was genau passiert in der «Kinderstube» der Stauden?

Im Staudenquartier sammeln wir die Samen, die wir für die Vermehrung brauchen. Eine Voraussetzung dafür ist, dass wir die Pflanzen blühen lassen und sie nicht zurückschneiden. Wir gehen dann jede Woche durchs Staudenquartier und sammeln die Samen von Hand, bevor sie wegfliegen. Von manchen Stauden schneiden wir die Samenstände mit dem Kraut ab und lassen die Teile trocknen.

 

Macht ihr das bei allen Stauden? Gibt es Ausnahmen?

Wir nehmen nur feste Samen, also solche, die sich nicht mit anderen verkreuzen.

 

Was geschieht mit den gesammelten Samen?

Wir lassen sie trocknen, und dann werden sie durchgeputzt, damit am Ende die reinen Samen übrig bleiben. Manchmal brauchen wir dafür auch eine Pinzette. «Rein» heisst bei uns eine Reinheit von achtzig Prozent; die restlichen zwanzig Prozent können Kraut oder Blattstiele sein. Die Samen pflanzen wir in Aussaatschalen, wo sie keimen. Danach pikieren wir sie, setzen sie zunächst in Quick Pots und schliesslich in die Töpfe.

 

Verkauft ihr auch Staudensamen?

Nein, wir brauchen sie ausschliesslich für die Kultivierung neuer Stauden. Weil wir sie nicht verkaufen, müssen wir sie auch nicht wägen, und deshalb genügt die eben erwähnte Reinheit von achtzig Prozent.

 

Wie lange dauert es, bis eine junge Staude bereit ist für den Verkauf?

Das ist unterschiedlich, aber mindestens drei Monate, beispielsweise beim Schnittlauch. Andere, so genannte Kaltkeimer, brauchen wesentlich länger, bis sie soweit sind. Dazu gehören unter anderem die Rosen: Sie bleiben zwei Jahre bei uns, bevor sie in den Verkauf gelangen. Ein Kuriosum ist, dass manche der Jungstauden in Tat und Wahrheit viel älter sind, weil ihre Samen von einer älteren Pflanze stammen. Es kann also gut sein, dass man bei uns Jungstauden kauft, die gut und gern fünfzig Jahre alt sind.

Milena Jutzet, vielen Dank für das Gespräch!

Waren Sie schon einmal bei uns im Staudenquartier? Kommen Sie vorbei – wir zeigen es Ihnen gerne!

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Impressionen aus dem Staudenquartier

(Alle Fotos: Claudia Fahlbusch)

Beet mit verschiedenen farbigen Jungstauden in Gärtnerei

 

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