«Unkraut ist mein Gemüse»: Die Vogelmiere

Die gewöhnliche Vogelmiere wuchert wie ein Teppich über Ihr frisch umgegrabenes Gemüsebeet? Zeigen Sie dem Unkraut die Zähne und kochen Sie etwas Leckeres daraus!
Von Rebekka Salm

Hilft gegen Husten und Bronchitis: Tee aus der Vogelmiere. (Foto: Rebekka Salm)

«Ist er tot?» Mein Mann beugte sich über den Blumentopf auf dem Balkon. Seit Jahren schon wuchtete er den sperrigen Tontopf im Herbst in den Keller und im Frühling wieder hoch in den dritten Stock. In den warmen Monaten dazwischen blühte darin sein ganzer Stolz, ein hüfthoher Hibiskus. In diesem Jahr allerdings trieb die Pflanze nicht aus.

«Ist er tot?» Ich wusste es nicht. Dr. Google riet, den Hibiskus zurückzuschneiden. Danach sah er neben tot auch noch erbärmlich aus. Mein Mann gab die Hoffnung dennoch nicht auf und so blieb der Hibiskus – oder das, was von ihm übrig war – den Sommer durch auf dem Balkon.

Und siehe da, einige Wochen später spross es grün im Blumentopf. Allerdings war es nicht der Hibiskus, der zu neuem Leben erwacht war. Ein zierliches Kraut machte sich am Boden des Topfes breit: Die Stängel einreihig behaart, die Laubblätter eiförmig und ganzrandig, die Blüten klein und weiss, mit fünf Kelch- und Kronblättern (die so tief geteilt sind, dass es scheint, als wären es doppelt so viele).

Wie hat es die gewöhnliche Vogelmiere in den dritten Stock und ausgerechnet in diese Hibiskus-Gruft geschafft? Wir wissen es nicht.

Zu Unrecht als Unkraut verunglimpft: die Vogelmiere. (Foto: Rebekka Salm)

Unkraut ist auch Gemüse!

Wächst sie auch in Ihrem Garten, die Vogelmiere? Die Chancen stehen gut, denn sie richtet sich überall dort ein, wo Platz ist. Ob Sonne oder Schatten, Sommer oder Winter ist ihr dabei egal. Was also tun?

Sie können die Vogelmiere natürlich jäten, auf den Kompost und somit den Würmern zum Frass vorwerfen. Oder aber Sie zeigen ihr die Zähne und verspeisen die Vogelmiere gleich selbst. Das geht auch im Winter, denn die Vogelmiere hat ganzjährig Saison.

Die Liste der Wirkungen, die der Vogelmiere zugesprochen werden, ist lang. Das «Unkraut» ist lecker und gesund, da reich an wertvollen Inhaltsstoffen wie Eisen, Vitamin A und C, Kalium und Calcium.

Zwei Vorschläge, wie Sie günstig und regional (regionaler geht’s gar nicht) Ihre Küche und Ihre Hausapotheke anreichern können:

Vogelmierentee

Als Tee getrunken, regt die Vogelmiere den Stoffwechsel an, lindert rheumatische Beschwerden und wirkt schleimlösend; daher hilft sie gut gegen Husten und Bronchitis.

Übergiessen Sie 2 Teelöffel Kraut (Blüten, Stängel, Blätter) mit ¼ Liter siedendem Wasser und lassen sie den Tee 10 Minuten ziehen. Trinken Sie täglich 2 Tassen Vogelmierentee.

Polenta-Puffer mit Vogelmiere

  • 375 ml Boullion
  • 50 g Maisgriess (Polenta)
  • 2 Handvoll Vogelmiere (mit oder ohne Blüten)
  • 2 Eier
  • 120 g Dinkelmehl
  • 300 g Maiskörner (frisch oder aus der Dose)
  • Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Die Bouillon aufkochen und den Maisgriess dazugeben. Bei mittlerer Hitze und unter Rühren zu einem dicken Brei kochen. Abkühlen lassen.

Vogelmiere klein schneiden. Eier, Mehl, Maiskörner und Vogelmiere unter die Polenta rühren. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.

Öl oder Butter in eine beschichtete Pfanne geben. Für jeden Puffer einen gehäuften Esslöffel der Masse nehmen und in der Pfanne flachdrücken. Auf jeder Seite ca. 7 bis 8 Minuten bei mittlerer Hitze goldgelb anbraten. Ergibt etwa 10 Puffer. En Guete!

Sie mögen keine Polenta? Dann mixen Sie die Vogelmiere in Ihren Smoothie, schnetzeln Sie sie roh in den Salat, machen Sie daraus Gemüse.

Polenta-Puffer mit Vogelmiere. (Foto: Rebekka Salm)

Soll sie doch bleiben, wo sie ist

Wenn Sie die Vogelmiere weder essen noch jäten mögen, lassen Sie sie in den kalten Monaten einfach wuchern. Denn im Winter schützt sie den Boden wie ein Pelzmantel vor allzu grosser Kälte.

Apropos Kälte: Der Winter ist da, und der Hibiskus auf unserem Balkon erwachte den ganzen Sommer über nicht aus seinem Winterschlaf. «Ist er tot?» Ja, vermutlich ist er tot und die Vogelmiere seine Grabbepflanzung. Die Frage ist nur: Wie sag ich‘s meinem Mann?

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