«Je länger ich meine Arbeit mache, umso mehr liebe ich sie»

Auf der Suche nach einer Lehrstelle als Zierpflanzengärtnerin hat sich Zahra Hashemi 2018 bei der Gartenbauschule Hünibach beworben. Gefunden hat sie weit mehr als das. Im Gespräch erzählt sie, was sie damit meint.
Von Rebekka Salm

Zahra Hashemi absolviert bei der GSH seit 2018 eine Lehre als Zierpflanzengärtnerin. Diesen Sommer schliesst sie ihre Lehre mit dem Berufsattest EBA ab. (Foto: Claudia Fahlbusch)

Zahra Hashemi, warum hast du dich ausgerechnet für eine Lehre bei der Gartenbauschule Hünibach entschieden?

Das war Zufall. Als ich auf Lehrstellensuche war, hat mir ein Bekannter von der GSH erzählt, die als einzige Ausbildungsstätte im Deutschschweizer Raum eine Ausbildung in biologisch-dynamischen Gartenbau anbietet. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nur, dass ich mit Pflanzen arbeiten will. Der ganze Rest war mir egal. Ich habe mich also bei der GSH auf eine Lehrstelle als Zierpflanzengärtnerin beworben. Allerdings war ich mir sicher, dass man mich nicht nehmen wird, weil mein Deutsch noch nicht so gut ist. Aber entgegen aller Erwartungen hat mir die GSH eine Chance gegeben und ich habe sie gepackt – zum Glück.

«Wir lernen und üben zusammen. Die GSH-Gemeinschaft trägt mich über meine Sprachhürden hinweg.»

Deutsch ist nicht deine Muttersprache. Wie meisterst du die Sprachbarriere in der Lehre?

Es ist eine Herausforderung. Ich bin erst seit fünfeinhalb Jahren in der Schweiz und immer noch dabei, meine Deutschkenntnisse zu verbessern. 2018 habe ich mit einer dreijährigen EFZ-Lehre angefangen, musste aber nach wenigen Monaten feststellen, dass ich mit dem schulischen Stoff in einer Sprache, die nicht meine Muttersprache ist, überfordert bin. Da habe ich gemeinsam mit der GSH beschlossen, in die zweijährige EBA-Lehre zu wechseln. Auch da stosse ich sprachlich ab und zu an meine Grenzen. Zum Glück unterstützen mich die anderen Lernenden. Wir lernen und üben zusammen. Die GSH-Gemeinschaft trägt mich über meine Sprachhürden hinweg.

 

Hat diese Gemeinschaft auch Nachteile? Schliesslich arbeiten bei der GSH über fünfzig Lernende.

Wir sind hier bei der GSH wie eine grosse Familie. Das ist wunderbar. Der einzige Nachteil ist vielleicht der, dass man bei so vielen Kolleginnen und Kollegen in der Praxis etwas weniger üben kann, als in Betrieben mit weniger Lernenden. Die anfallenden Arbeiten in der Gärtnerei werden so verteilt, dass alle Lernenden mindestens einmal selbst anpacken können. Je nach Thema möchte man aber ein zweites Mal üben oder auch ein drittes Mal. Das geht hier halt nicht immer.

«Wir arbeiten mit der Natur und nicht gegen sie – und das macht mich stolz.»

Wie wichtig ist dir Bio?

In das Thema Bio musste ich erst reinwachsen. Ich habe mich nicht bei der GSH beworben, weil ich unbedingt biologisch-dynamisch gärtnern wollte. Heute aber bin ich der Ansicht, dass all die chemischen Pflanzenschutzmittel und Dünger, die in konventionellen Gärtnereien zum Einsatz kommen, die Natur aus dem Gleichgewicht bringen. Wir arbeiten mit der Natur und nicht gegen sie – und das macht mich stolz.

 

Was macht dir am meisten Spass in deinem Job?

Ich liebe das Giessen. Beim Giessen trage ich meist während einer ganzen Woche die Verantwortung für die Pflanzen. Ich überprüfe, was sie brauchen und nähre sie entsprechend. Dieser direkte Kontakt mit unseren Zierpflanzen macht mir grossen Spass.

Auch das Säen gefällt mir gut und das Abmischen der Erde fürs Pikieren und Umtopfen. Hier geht es ebenfalls darum, Substrat und Biodünger sorgfältig miteinander ins Verhältnis zu bringen, damit die Pflanzen optimal versorgt werden. Eigenverantwortung wird bei der GSH grossgeschrieben und das motiviert mich. Ich liebe meine Arbeit. Je länger ich sie mache, umso mehr liebe ich sie.

 

Gibt es auch Arbeiten, die dir nicht so gut gefallen?

Inhaltlich gesehen gibt es nichts, was mir nicht gefällt. Ich bin allerdings ein Mensch, der gerne draussen arbeitet und immer in Bewegung ist. Beim Pikieren aber steht man den ganzen Tag im Gewächshaus und dort am selben Ort. Wenn ich also mehrere Tage hintereinander pikieren muss, reicht es mir irgendwann auch.

«Für mich steht fest, dass ich auch in Zukunft biologisch gärtnern will.»

Du schliesst in diesem Sommer deine EBA-Lehre ab. Was sind deine Pläne für die Zukunft?

Ich habe mit Susanne Grossenbacher gesprochen, die für die Bildung der Lernenden zuständig ist. Gemeinsam haben wir beschlossen, dass ich nach meinem EBA-Lehrabschluss in diesem Sommer die verkürzte EFZ-Lehre anhängen werde. Mit einem EFZ-Abschluss habe ich deutlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die verkürzte EFZ-Lehre dauert nochmals zwei Jahre. Für mich steht fest, dass ich auch in Zukunft biologisch gärtnern will. Wo dies dann sein wird, steht aber noch in den Sternen.

 

Was würdest du jemandem raten, der sich für eine Lehre bei der GSH als Gärtnerin oder Gärtner in den Fachrichtungen Zierpflanzen, Stauden oder Gartenbau interessiert?

Als erstes muss man sich die Frage stellen, ob man gerne draussen arbeitet – auch bei Regen, Schnee und Hitze. Ist die Antwort ja, sollte man sich unbedingt bei der GSH bewerben. Es ist ein toller Ort, um seine Lehre zu absolvieren. Dies wegen der täglichen Arbeiten und den interessanten fachlichen Inhalten – ganz besonders dem Bio-Kurs. Der Zusammenhalt untereinander ist einzigartig. Zudem bereichern diverse Anlässe, wie das Theaterprojekt im Februar oder das freiwillige Singen und Wichteln an Weihnachten, das Lehr- und Gartenjahr. Und – das muss ich zu guter Letzt noch erwähnen – das Essen in der Mensa ist fantastisch.

Zahra, vielen Dank für das Gespräch!

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