«Wir wollen alle Lernenden optimal fördern, beruflich und persönlich»

Susanne Grossenbacher ist Leiterin Bildung an der Gartenbauschule Hünibach. Im Interview erzählt sie, warum eine EFZ- oder EBA-Ausbildung an der GSH nicht nur aus fachlichen Gründen attraktiv ist: Ebenso zählen die Gemeinschaft von rund 50 Lernenden, die Begleitung der jungen Gärtner/innen durch die Ausbildner/innen – und die Magie des Ortes.
Von Claudia Fahlbusch

«Manche sagen, das hier sei ein magischer Ort»: Susanne Grossenbacher, Leiterin Bildung an der GSH. (Foto: zvg)

Susanne Grossenbacher, für wen ist eine Ausbildung an der GSH die richtige Wahl?

Sicherlich für alle, die sich speziell für biologischen und biodynamischen Gartenbau interessieren. Als einzige Berufsschule bieten wir den EFZ-Lernenden einen entsprechenden Zusatzlehrgang an, der in die Ausbildung integriert ist. Dort lernen die jungen Leute, was es heisst, besonders naturnah zu gärtnern.

Profitieren können auch junge Menschen, für die eine EFZ-Lehre aufgrund schulischer, psychischer oder sozialer Probleme nicht in Frage kommt. Sie können bei uns die zweijährige EBA-Ausbildung absolvieren. Wenn dann die Voraussetzungen stimmen, können sie in weiteren zwei Jahren ihren EFZ-Abschluss machen.

«Bei uns finden viele die Bedingungen, die sie brauchen, um «den Rank» zu finden.»

Stichwort EBA: Wer kann sich bei euch für eine zweijährige Lehre bewerben?

Zu uns kommen immer wieder Jugendliche, die etwas mehr Unterstützung brauchen. Manche stehen unter psychischer oder sozialer Belastung oder hatten Lernschwierigkeiten in der Schule. Sie haben vielleicht schon eine oder mehrere Lehren abgebrochen und kommen in der normalen Arbeitswelt noch nicht so gut zurecht. Bei uns finden viele die Bedingungen, die sie brauchen, um «den Rank» zu finden.

 

Was sind das für Bedingungen, die ihr Jugendlichen bieten könnt, wenn sie eine EBA-Lehre in der GSH machen wollen?

Als Lehrwerkstätte können wir sie in Theorie und Praxis besser begleiten und auf ihre individuellen Anliegen eingehen. Sie profitieren von der Gemeinschaft mit den anderen Lernenden und machen gemäss ihrem Ausbildungsstand und ihren Fähigkeiten genau die gleichen Arbeiten wie ihre EFZ-Kolleginnen und -Kollegen. Sie sind ein Teil unserer Gemeinschaft und gehören dazu.

 

Diese Gemeinschaft an der GSH ist ja etwas, das viele Lernende besonders schätzen. Wie kann man sich das vorstellen?

Erstens ist es sicher die grosse Anzahl Lernender, die hier quasi unter einem Dach versammelt ist. Da kommen viele unterschiedliche Persönlichkeiten zusammen, Meinungen und Ansichten; eine bunte Vielfalt sozusagen. Aktivitäten wie das Theaterprojekt im zweiten Lehrjahr oder das freiwillige Chorsingen im Winter schweissen die Lernenden weiter zusammen.

Manche wohnen hier gemeinsam im Internat und haben daher auch ausserhalb der Arbeitszeiten Kontakt untereinander, und in der Mensa trifft man sich zum gemeinsamen Mittagessen. Zudem findet im Basislehrjahr EFZ der ganze Unterricht hier an der GSH statt und erst ab dem zweiten Lehrjahr an der externen Berufsschule. Das sind alles Faktoren, welche die Gemeinschaft stärken.

 

Die Bio-Ausbildung in der GSH ist schweizweit einzigartig. Worin besteht sie genau?

Es gibt einerseits den Zertifikatskurs für biologisches und biodynamisches Gärtnern, den wir selbst entwickelt haben. Das sind sechs Module, in denen es unter anderem um biologischen und biodynamischen Anbau geht, um Natur- und Hausgärten, Pflanzenbeobachtungen, Pflanzenschutz ohne Chemie, Kompost und Permakultur. Der Mondkalender nach Maria Thun ist ein Thema, und ebenso Rudolf Steiner und seine Lehre. Und dann gibt es den praktischen Teil mit der Anwendung des Gelernten, beispielsweise mit der Herstellung biodynamischer Präparate.

«Fachliche Kompetenzen sind das eine, aber wir achten auch sehr darauf, dass die jungen Gärtnerinnen und Gärtner Verantwortung übernehmen und selbstständig arbeiten.»

Die GSH bildet EFZ-Lernende in den Fachrichtungen Zierpflanzen, Stauden sowie Garten- und Landschaftsbau aus. Gibt es da Überschneidungen, indem beispielsweise die Zierpflanzengärtner sehen, was die Staudengärtnerinnen tun?

Ja, diese Überschneidungen gibt es. Wir achten auf Durchlässigkeit, und für viele Lernende ist es spannend zu sehen, was ihre Kolleginnen und Kollegen in den anderen Fachrichtungen machen. Es gibt auch interne Praktika wie dasjenige im Gemüsebau, den wir ja auch pflegen, obwohl er nicht explizit zur Ausbildung der Gärtnerinnen und Gärtner gehört. Wir fördern aktiv den Austausch unter den verschiedenen Bereichen. So arbeitet nicht jede und jeder nur im eigenen «Gärtli», sondern sieht auch, was links und rechts geschieht.

 

Was ist dir als Leiterin Bildung persönlich wichtig im Umgang mit den Lernenden?

Ich spreche für uns alle hier, wenn ich sage, dass wir grössten Wert legen auf die optimale Förderung aller Lernenden, gemäss ihren Fähigkeiten und persönlichen Perspektiven. Fachliche Kompetenzen sind das eine, aber wir achten auch sehr darauf, dass die jungen Gärtnerinnen und Gärtner Verantwortung übernehmen und selbstständig arbeiten. An den Lehrabschlussprüfungen erzielen unsere Lernenden immer wieder Bestnoten und schliessen mit Auszeichnung ab.

Wir bieten allen Unterstützung, bei der Entwicklung beruflicher Perspektiven ebenso wie beim Bewältigen von Problemen, mit der Schule, im Betrieb oder in einem anderen Lebensbereich. Es ist uns wichtig, dass wir Lernende auffangen können, wenn es nötig ist. Sie können sich jederzeit an uns wenden, auch mit Problemen, die nicht die Ausbildung direkt betreffen. Dafür engagiert sich auch unsere Schulsozialarbeiterin Christine Mäder.

«Wir hören oft, dass die Leute finden, das hier sei ein Ort mit Charme.»

Viele Lernende und ehemalige Absolventen sagen, die GSH sei ein ganz besonderer Ort. Was ist damit gemeint?

Wir hören oft, dass die Leute finden, das hier sei ein Ort mit Charme. Manche sagen sogar, es sei ein magischer Ort mit einer ganz besonderen Energie. Das liegt sicher auch an der attraktiven Lage: Von hier geht der Blick direkt in die Berge, und bis zum Thunersee sind es fünf Minuten zu Fuss. Im Sommer gehen die Lernenden in der Pause oder am Feierabend oft noch gemeinsam baden. Es ist eben nicht nur die Ausbildung, die hier speziell ist.

Susanne Grossenbacher, vielen Dank für das Gespräch.

Du interessierst dich für eine EFZ- oder EBA-Ausbildung an der GSH? Dann nimm Kontakt auf mit Susanne Grossenbacher, Leiterin Bildung: Telefon 033 244 10 36.

Du willst mehr erfahren über den praktischen Teil der Ausbildung? Dann klick auf das Interview mit Praxisausbildner Thomas Schmutz.

 

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