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Lageplan

Gartenbauschule Hünibach
Chartreusestrasse 7
3626 Hünibach

Anreise

PW: Autobahnausfahrt Thun Nord, weiter in Richtung Gunten bis Hünibach. In der Chartreusestrasse links abbiegen. Wenige Parkplätze sind vorhanden.

ÖV: Bus Linie 21 ab Bahnhof Thun Richtung Oberhofen/Interlaken bis Haltestelle Hünibach Chartreuse. Fahrplan via SBB.ch


«Staudengärtner/innen arbeiten mit einer deutlich grösseren Vielfalt an Pflanzen»

Unsere Lehrstellen für Gärtner/innen EFZ Fachrichtung Stauden sind meistens als erste besetzt. Aufgrund der grossen Nachfrage haben wir die Anzahl Lehrstellen für Staudengärtner/innen erhöht. Der ehemalige Berufsbildner Christian Mathys erzählt im Interview, was das Besondere an dieser Ausbildung ist.

von Thomas Zillig

Mann in grüner Kleidung, zirka 40 Jahre alt, braune kurze Haare, schaut lächelnd in die Kamera

Junger Mann mit gestreiftem Kapuzenpulli füllt Erde in kleine Blumentöpfe




Christian Mathys, woher kommt eigentlich der Begriff «Stauden»?
Alle Pflanzenarten, die im lateinischen Begriff perennis oder perenne beinhalten, gehören zu den Stauden. Dieser Begriff bedeutet übersetzt «ausdauernd». Woher der deutsche Begriff «Stauden» kommt, ist mir unbekannt.

Wie unterscheiden sich Stauden von Gehölzen und von Zierpflanzen?
Eine Staude unterscheidet sich vom Gehölze insofern, dass die Pflanze kein Holz beinhaltet, sondern nur krautig weich wächst. Im Vergleich zu den Zierpflanzen ist eine Staude mehrjährig, zieht sich im Winter zurück und treibt im Frühling wieder aus. Dieser natürliche Kreislauf kann sich viele Jahre lang wiederholen.

Das heisst, eine Staude braucht somit unterschiedliche Jahreszeiten, um solche Erholungsphasen einbauen zu können?
Das ist grundsätzlich richtig, in den Tropen spricht man in der Regel nicht von Staudengewächsen. Zu den Stauden gehören auch die verschiedenen Grasarten. Dies ist eigentlich erstaunlich, stellt man sich unter einer Staude doch etwas Grösseres, Buschigeres vor. Der Volksmund spricht von einer Hasel- oder einen Himbeerstaude. Dies schafft Verwirrung, denn beide Pflanzen sind nicht Stauden, sondern Gehölze. Eine klassische Staude ist beispielsweise eine Margerite, eine Wiesensalbei oder eine Lupine. Aber auch alle mehrjährigen Gräser gehören zu den Staudengewächsen.

«Ich begann eine Lehre als Zierpflanzengärtner, merkte aber bald, dass mir die Vielfalt und Lebendigkeit von Stauden fehlte.»

Welche Beziehung hast du persönlich zum Thema Stauden? Woher kommt deine Begeisterung?
Sie geht weit zurück in meine Vergangenheit. Bereits während der Zeit an der Oberstufenschule begann ich selbst mit dem Aussäen, Pikieren und Topfen verschiedener Stauden. Dies machte mir so viel Spass, dass ich bald einmal wusste, dass ich Gärtner werden wollte. Ich begann eine Lehre als Zierpflanzengärtner, merkte aber bald, dass mir die Vielfalt und Lebendigkeit von Stauden fehlte. Zudem war mir der Beruf des Zierpflanzengärtners zu technisch und der Anteil an Arbeit im Gewächshaus zu hoch. Aus diesem Grund habe ich gleich im Anschluss noch die verkürzte Lehre zum Staudengärtner angehängt. Die riesige Palette an Staudengewächsen hat mich fasziniert und ich konnte mich bei dieser Lehre wie gewünscht entfalten. Stauden sind keine Wegwerfprodukte, sondern etwas Natürliches. Damit kann ich mich sehr gut identifizieren.

Du bist seit mehr als 20 Jahren an der Gartenbauschule. Gibt es heute noch Stauden im Betrieb, die du seit Beginn pflegst?
Eine Pflanze im gleichen Topf für mehr als 20 Jahre gibt es nicht. Jedoch gibt es Pflanzen, welche die Gartenbauschule bereits zu Beginn meiner Anstellung besass und die bis heute immer wieder vermehrt wurden. Auch in einzelnen Rabatten gibt es Stauden, die ich effektiv bereits über die ganze Zeit hinweg pflege.

«Über all die Jahre spürt man die Bedürfnisse der Pflanze und erkennt, wie sie auf verschiedene Witterungen und Pflegetätigkeiten reagiert.»

Bauen Gärtner/innen zu den Stauden eine Beziehung auf?
Ja, definitiv. Über all die Jahre spürt man die Bedürfnisse der Pflanze und erkennt, wie sie auf verschiedene Witterungen und Pflegetätigkeiten reagiert.

Seit Sommer 2015 werden an der Gartenbauschule Hünibach erstmals Gärtnerinnen und Gärtner in Fachrichtung Stauden ausgebildet. Was hat sich damit für dich und deinen Bereich verändert?
Dies ist ein grosser Schritt für unseren Bereich, denn bisher hatten wir die Situation, dass die angehenden Zierpflanzengärtner nur ein innerbetriebliches Praktikum in unserem Bereich absolvierten. Die Lernenden wurden in die Staudenthematik eingeführt, und sobald sie eigentlich den Überblick gewonnen hatten und produktiv tätig wurden, war das Praktikum auch schon fast wieder vorbei. Jetzt können wir Staudenlernende über drei Jahre hinweg kontinuierlich begleiten und beim Aufbau ihrer Kompetenzen unterstützen.
Als Mitarbeitende verfügen sie über deutlich mehr Wissen in diesem Bereich und sind entsprechend kompetent. Das selbständige Arbeiten wird erheblich vereinfacht. Mit dem neuen Ausbildungsangebot werden wir gleichzeitig auch das Sortiment ausbauen, denn ich will den jungen Menschen eine möglichst grosse Vielfalt bieten.
Ich freue mich sehr darauf, mein Fachwissen künftig viel tiefer als bisher weitergeben zu können. Es wird aber auch eine neue Herausforderung sein, denn bisher habe ich noch keine Staudengärtner effektiv ausgebildet.

«An erster Stelle steht für mich das Interesse an den Stauden, denn alles andere kann man im Prinzip erlernen.»

Welche sind die grössten Unterschiede zwischen den beiden Fachrichtungen Zierpflanzen und Stauden im Bereich der Ausbildung?
Der Staudengärtner hat eine deutlich grössere Vielfalt an Pflanzen. Das bedeutet aber auch, dass die Pflanzenkunde entsprechend umfangreicher ist. Die Staudenpflanzen sind angepasster an das Klima als die Zierpflanzen, es gibt also weniger «Exoten» unter den Staudengewächsen. Zierpflanzengärtner kommen mehr mit Zuchtformen von Pflanzen in den Kontakt und sind deutlich weniger im Freien am Arbeiten als Staudengärtner.
Auch die Ausbildungsinhalte unterscheiden sich. Ein Staudengärtner lernt unter anderem mehr zum Thema Vermehrungen wie zum Beispiel Wurzelschnittlinge oder Teilungsarten. Beim Zierpflanzengärtner hat hingegen das Technische einen höheren Stellenwert. So ist beispielsweise das Verständnis für die Gewächshaussteuerung Bestandteil der Ausbildung.

Welche Voraussetzungen sollten künftige Staudengärtner/innen mitbringen?
An erster Stelle steht für mich das Interesse an den Stauden, denn alles andere kann man im Prinzip erlernen. Ein Staudengärtner muss im Vergleich zum Zierpflanzengärtner bis zum Qualifikationsverfahren rund doppelt so viele Pflanzen lernen und erkennen können. Das bedeutet natürlich mehr Aufwand – und um ihn zu leisten, sollte man Freude an den Pflanzen haben.

Erkennst du mit deiner Erfahrung heute problemlos alle geforderten Arten?
Ja, von den achthundert Stauden, die in der Bildungsverordnung enthalten sind, würde ich sicher neunundneunzig Prozent erkennen. Daneben kenne ich noch rund zwei- bis dreihundert weitere Staudengewächse, die ich im Rahmen meiner beruflichen Laufbahn oder auch im privaten Garten kennengelernt und kultiviert habe.

«Der grösste Vorteil liegt darin, dass wir ein biodynamisches Produkt kultivieren. Dies ist heute beinahe einmalig in der Schweiz und führt zu einer äusserst guten Pflanzenqualität.»

Welche beruflichen Möglichkeiten hat man als ausgelernte/r Staudengärtner/in?
Es gibt verschiedene Zierpflanzen- oder Staudengärtnereien in der Schweiz, die ausgebildete Staudengärtner suchen. Als zweite Variante gibt es Baumschulen mit einem Staudensortiment, die immer wieder an Fachspezialisten interessiert sind. Als dritte Möglichkeit besteht die Anstellung in einem Landschaftsgärtnerbetrieb, denn die breiten Pflanzenkenntnisse sind auch in dieser Teilbranche sehr gefragt. Weiterbildungsmöglichkeiten bestehen grundsätzlich die gleichen wie beim Zierpflanzengärtner. Auch ein Staudengärtner kann sich zum Obergärtner oder zum Gärtnermeister weiterentwickeln.

Welchen Mehrwert bietet die Ausbildung an der Gartenbauschule den angehenden Staudengärtnerinnen und -gärtnern?
Der grösste Vorteil liegt darin, dass wir ein biodynamisches Produkt kultivieren. Dies ist heute beinahe einmalig in der Schweiz und führt zu einer äusserst guten Pflanzenqualität.
Ein weiteres Argument bietet unser breites Wildstaudensortiment, denn die grosse Anzahl an einheimischen Pflanzen erleichtert den Lernenden auch die theoretische Ausbildung. Zudem können sich Lernende auf einen tollen Garten in einer attraktiven Umgebung freuen. Wir haben nebst den Pflanzen auch Laufenten und eine Katze und bieten auch punkto Umfeld eine spannende Lehrstelle.
Das erlernte Fachwissen kann beim Verkaufen in unserem eigenen Laden sowie an unserem Marktstand in Thun eingesetzt werden. Die selbst produzierten Staudengewächse werden grösstenteils direkt in Hünibach oder in Thun auf dem Markt verkauft. Ein kleinerer Teil wird von externen Landschaftsgärtnern und unserem Teilbereich Gartenbau- und Landschaft in Kundengärten eingesetzt.

Vielen Dank für das Interview!
 

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